Edeka sucht Center-Käufer

27. März 2007, 14:31
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Neuer Anlauf für Verkauf der ehemaligen Magnet-Märkte. Die Branche ortet Gespräche mit Spar, was man dort aber dementiert

Wien – Edeka bereitet weiteren Rückzug aus Österreich vor. Der deutsche Handelsriese hat im Vorjahr Anteile an Adeg abgestoßen. Jetzt steht der Verkauf der 21 Edeka-Center bevor; sie firmierten bis 2004 unter dem Namen Magnet. Hans-Georg Maier, Chef von Edeka Südbayern, verhandelt derzeit intensiv mit Spar Österreich, sagen informierte Kreise.

Spar bemüht sich dem Vernehmen nach um ein Paket von acht Standorten. Konkret gehe es dabei um Edeka-Center in Wien, Stockerau, Amstetten, Melk, Bad Ischl, Oberpullendorf und Oberwart. Darüber hinaus will die Lebensmittelkette sämtliche E-Märkte beliefern, heißt es. Derzeit wickeln Adeg und seit kurzem auch Rewe den Einkauf ab.

Verhandlungen

Spar-Vorstand Gerhard Drexel hat im Gespräch mit dem STANDARD Ende Jänner Interesse an der einen oder anderen Edeka-Filiale gezeigt. "Es gibt dazu nichts Neues zu sagen", meint Nicole Berkmann, Konzernsprecherin. Rund um die E-Märkte kursierten wilde Gerüchte und Zahlen – Spar sei darin nicht involviert.

Verhandlungen hat es auf jeden Fall bereits einmal gegeben: Neben Spar nahm vor einem knappen Jahr auch Konkurrent Rewe die E-Center ins Visier. Die beiden überlegten, Geschäfte zu gleichen Teilen zu kaufen. Drei bis vier hätte Edeka anders verwertet. Die Gespräche verliefen jedoch im Sand, es scheiterte am Preis.

Rewe sicherte sich dann mit dem 24,9-Prozent-Einstieg bei Adeg neue Marktanteile. Holt sich Spar die E-Center, wäre das für Rewe dennoch bitter. Die Marktkonzentration steigt. Und die kolportierte Übernahme des Einkaufs für alle Filialen könnte daher auch wettbewerbsrechtlich relevant sein.

Mehrere Strategiewechsel

Adeg hat 18 Magnet-Standorte vor sieben Jahre von der deutschen Tengelmann-Gruppe übernommen. Für die Filialen wurde jedoch wenig getan, sagen Marktkenner. Die Strategie wurde mehrere Male verändert, zuletzt durch die Umbenennung auf E-Center. Der Versuch, die Geschäfte loszuwerden, zieht sich über Jahre. Im Jänner sperrte eine Niederlassung in Judenburg zu.

Die E-Märkte zählen derzeit rund 450 Mitarbeiter. Ihr Umsatz sank laut Firmenbuch von 2004 auf 2005 von 134 auf 124 Millionen Euro. Edeka-Südbayern-Chef Hans-Georg Maier war gestern für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Barfuß greift ein

Rewe und Spar tragen auch abseits der Edeka harte Kämpfe aus. Drexel fuhr schwere Geschütze gegen den Rewe-Adeg-Deal auf und warnte vor Beschaffungskartellen. Der Wettbewerbshüter Walter Barfuß will den Deal wieder genauer unter die Lupe nehmen.

Ein neues Duell gibt es auch mit leichterer Kost. Streitfrage ist, wer bei Bio und gesunder Ernährung die Nase vorne hat. Rewe will künftig international mehr Bio-Produkte anbieten und sieht sich in Österreich als Vorreiter. Spar pocht auf zwei Jahre Erfahrung mit Ernährungsprojekten und legt mit einer Info-Offensive los. (Verena Kainrath, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 7.3.2007)

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    Spar hat sich schon vor knapp einem Jahr um die E-Center bemüht.

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