Mindestens 30 Tote bei Selbstmordanschlag

10. März 2007, 19:55
68 Postings

Erneut Angriffe auf schiitische Pilger - Zahl der Toten nach Selbstmordanschlägen in Hilla auf 120 gestiegen

Bagdad - Nach dem verheerenden Selbstmordanschlag auf schiitische Pilger in Hilla hat ein Attentäter am Mittwoch erneut mehr als 30 Iraker mit in den Tod gerissen. Etwa 25 Menschen wurden nach Polizeiangaben verletzt, als sich der Selbstmordattentäter in einem Café in Balad Rus nordöstlich von Bagdad in die Luft sprengte. Zuvor waren auch wieder schiitische Gläubige Ziel der anhaltenden Gewalt geworden: In Bagdad wurden mindestens elf Menschen getötet, die auf dem Weg nach Kerbela waren.

Wie die Polizei mitteilte, zündeten Attentäter im Stadtteil Dora einen am Straßenrand versteckten Sprengsatz, unmittelbar danach schossen vermutlich sunnitische Aufständische auf die Gläubigen. Auch auf einer Brücke im Südosten der Hauptstadt sowie in der Bagdader Innenstadt wurden Schiiten beschossen.

Opferzahlen steigen

Die Zahl der Todesopfer nach dem Anschlag in Hilla vom Dienstag stieg unterdessen auf 120. Etwa 190 Menschen seien verletzt worden, teilte die Polizei mit. In Plastiksäcken gehüllte Leichen lagen vor dem überfüllten Krankenhaus der Stadt, viele Verletzte mussten auf den Fluren untergebracht werden. Trauernde trugen Särge zu Grabe.

Die Pilger waren auf dem Weg nach Kerbela, wo gläubige Schiiten am Wochenende das Ende der 40-tägigen Trauerperiode über den Tod des Imams Hussein, einem Enkel des Propheten Mohammed, feiern. Der Gouverneur der Provinz Kerbala, Akil al-Khasaliye, sagte, für das Fest würden 10.000 Sicherheitskräfte aufgeboten.

Weitere Anschläge

Bei einem Autobombenanschlag vor einem Polizeiposten im Südwesten Bagdads wurden am Mittwoch acht Menschen getötet, mindestens 23 weitere erlitten Verletzungen. In Ramadi wurde ein Metzger in seinem Laden erschossen, wie die Polizei mitteilte. Am Dienstagabend wurden in Diwaniya ein Polizist und sein 15-jähriger Sohn getötet.

Die US-Streitkräfte gaben den Tod von drei weiteren Soldaten bekannt. Sie seien am Mittwoch bei einer Bombenexplosion nordwestlich von Bagdad ums Leben gekommen.

Eine irakische Gruppe mit Verbindungen zum Terrornetzwerk Al-Kaida stürmte am Dienstagabend nach eigenen Angaben ein Gefängnis im Norden des Landes und befreite 150 Häftlinge. Die Gefangenen, darunter mehrere Ausländer, hätten das Badush-Gefängnis nahe Mossul sicher verlassen, hieß es in einer am Mittwoch in Internet veröffentlichten Erklärung der Organisation Islamischer Staat des Iraks. Die Befreiungsaktion habe der Führer der Gruppe, Abu Omar al-Baghdadi, angeordnet.

Die Echtheit der Erklärung konnte zunächst nicht überprüft werden. Sie erschien auf einer häufig von Aufständischen benutzten Web-Site. Zur Gruppe Islamischer Staat des Irak gehören verschiedene Organisationen sunnitischer Aufständischer, darunter auch Al-Kaida im Irak.

Nach Polizeiangaben wurde das Badusch-Gefängnis am Dienstagabend von Bewaffneten gestürmt. Von rund 140 befreiten Häftlingen seien bis auf 47 alle wieder gefasst worden. Aus der Haftanstalt ist erst im Dezember ein Neffe des hingerichteten früheren Staatschefs Saddam Hussein ausgebrochen. Ayman Sabaawi, der zu lebenslanger Haft verurteilt wurde, erhielt Unterstützung von einem Polizisten und ist noch immer auf der Flucht. (red/APA/AP)

Share if you care.