Louvre erhält Außenstelle in Abu Dhabi

6. März 2007, 13:35
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Leihgaben im Rotationsprinzip - Projekt führte zu Protesten

Abu Dhabi- Frankreich und die Vereinigten Arabischen Emirate haben , einen umstrittenen bilateralen Vertrag für die Errichtung einer Louvre-Außenstelle in Abu Dhabi unterzeichnet. Demnach darf der "Louvre Abu Dhabi" gegen Bezahlung von einer Milliarde Euro zehn Jahre lang Leihgaben aus französischen Museen zeigen. Bis 2012 soll ein "universelles Museum" mit Schwerpunkt auf der klassischen westlichen Kunst entstehen, das im Respekt vor den beidseitigen kulturellen Werten "alle Zivilisationen und Epochen bis zur Gegenwart" berücksichtigt.

400 Millionen Euro berechnet der Louvre allein für die Konzession des Namens. Davon sollen 150 Millionen innerhalb eines Monats bezahlt werden, die restliche Gesamtsumme verteilt auf 30 Jahre. In den ersten vier Jahren sollen an die 300, danach zwischen 200 und 250 französische Leihgaben im Rotationsprinzip nach Abu Dhabi verliehen werden, wobei die Leihdauer zwei Jahre nicht übersteigen soll. Im Zeitraum von 15 Jahren sollen jeweils eine große und mittlere und zwei kleinere temporäre Ausstellungen organisiert werden. Laut Vertrag soll umgekehrt auch der Pariser Louvre einen "angemessenen" Teil aus dem neuen Museum ausleihen.

Umstrittenes Projekt

Der Vertrag wurde zwischen dem französischen Kulturminister Renaud Donnedieu de Vabres und dem Präsidenten des Amts für Tourismus von Abu Dhabi, Scheich Sultan ben Tahnoun Al-Nahyane, einem Mitglied des Königshauses, in Abu Dhabi unterzeichnet. Donnedieu de Vabres, der mit einer Delegation von Vertretern französischer Museen angereist war, wies auf die "außerordentliche Chance" hin, die dieses Projekt darstelle, und betonte, dass die französischen Museen dadurch nicht gefährdet und ihre Exponate unverkäuflich seien.

Das Projekt war in den vergangenen Wochen von heftigen Protesten begleitet worden. Kritiker wandten sich dabei gegen einen "Ausverkauf" französischer Kulturgüter und führten Bedenken gegen den Transport wertvoller und zerbrechlicher Kunstwerke sowie gegen die langen Verleihzeiten ins Treffen. Eine Petition gegen den "Export der französischen Museumsmarken" ins Ausland hatten am Montag auf der Website La Tribune de l'Art 4.700 Unterzeichner, darunter Museumsfachleute, Kunsthistoriker und Archäologen unterschrieben.

Der arabische Louvre mit einer Ausstellungsfläche von 8.000 Quadratmeter wird vom französischen Architekten Jean Nouvel geplant und soll 83 Mio. Euro kosten. Der Museumsbau soll Teil eines riesigen Museumsensembles auf der Insel Saadiyat (Arabisch für "Die Insel des Glücks") in Abu Dhabi werden. Denn das 65.000 Quadratkilometer große Scheichtum will außer der Louvre- und Guggenheim-Dependance ein Marinemuseum, ein Museum für islamische Kunst und ein Zentrum für lebende Künste gründen. Der Bezirk soll insgesamt Teil eines riesigen touristischen Komplexes um Gesamtkosten in der Höhe von 27 Milliarden Dollar (20,6 Mrd. Euro) werden. (APA)

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