Auslandsaufträge stützen Industriekonjunktur

27. März 2007, 12:49
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Produktionswert um 10 Prozent gestiegen - Facharbeiterausbildung dauert sechs bis sieben Jahre

Wien - Österreichs Industrie wird auch heuer weiter wachsen. Die Auftragseingänge verzeichnen ein zweistelliges Plus, so dass mit guten Ergebnissen zu rechnen sei, betonte der Geschäftsführer der Bundessparte Industrie in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), Manfred Engelmann, am Dienstag vor Journalisten. Vor allem in den Branchen Chemie, in der Mineralölindustrie so wie in den Bereichen Maschinen & Metallwaren und in der Fahrzeugindustrie dürfte verstärkt investiert werden.

Im abgelaufenen Geschäftsjahr ist der Produktionswert der heimischen Industrie nach vorläufigen Zahlen um 10 Prozent auf 120 Mrd. Euro gestiegen. Real gehe man von einem Plus von 8 Prozent aus, so Engelmann. In der Zeit von Jänner bis November 2006 erhöhte sich die abgesetzte Produktion um nominell 9,7 Prozent auf 110 Mrd. Euro. Leicht zugelegt hat auch die Beschäftigung und zwar um 0,1 Prozent auf 413.700 Arbeitnehmer im abgelaufenen Jahr. Rechnet man das Fremdpersonal in die Gesamtbeschäftigtenzahl ein, so nahm die Industriebeschäftigung um 0,8 Prozent zu. Insgesamt erhöhte sich der Anteil des Fremdpersonals in der Industrie in den vergangen fünf Jahren von 2,5 auf 5 Prozent.

Die kräftigsten Beschäftigungszuwächse gab es im Vorjahr in den Bereichen Glas, Chemie so wie Maschinen & Metallwaren. Rückgänge wurden in den Branchen Leder, Stein & Keramik sowie Textil und Papier, Gießereien und Elektro- und Elektronik verzeichnet.

Gestützt wird die Industriekonjunktur nach wie vor von den Auslandsaufträgen, die in den ersten 11 Monaten 2006 um 15,4 Prozent zulegten, während die Inlandsaufträge nur ein Plus von 4,9 Prozent verzeichneten. Insgesamt erhöhten sich die Industrieaufträge um 12,1 Prozent auf 74 Mrd. Euro. Der Löwenanteil entfiel auf die Maschinen- und Metallwarenindustrie, die fast die Hälfte des gesamten Zuwachses auf sich verbuchen konnte. Die Industrie habe damit einen entscheidenden Schritt dazu beigetragen, dass die Exporte 2006 mit 106,76 Mrd. Euro erstmals die 100-Mrd.-Euro-Grenze überschritten haben.

Facharbeitermangel selbst produziert

Zum Facharbeitermangel gesteht die Industrie auch Fehler ein. Die qualifizierte Facharbeiterausbildung in den gesuchten Metallberufen Schweißer, Dreher und Fräser dauere sechs bis sieben Jahre, so Engelmann. Vor sechs bis sieben Jahren habe die Industrie eine schwächere Zeit durchlebt, wo viele Unternehmen Spar- und Restrukturierungsmaßnahmen umgesetzt haben. Damals wurde bei Lehrlingen gespart und Lehrwerkstätten geschlossen.

Die Auswertung der Lehrlingsstatistik zeige aber, dass gerade in den jetzigen Mangelberufen Schweißer, Dreher, Fräser und Schlosser im Zeitraum die Zahl der Lehrlinge in der Zeit von 2002 bis 2006 deutlich zulegten. So nahm die Lehrlingszahl im Beruf Universalschweißer um 47 Prozent von 101 auf 148 Lehrlinge zu. Bei den Drehern und Fräsern gab es ein Plus um 35 Prozent auf 1.248. Bei den Schlossern sind die Lehrlingszahlen in den Berufen Metalltechnik-Metallbau, Metalltechnik-Metallbearbeitung, Metalltechnik-Schmiedetechnik und Metalltechnik-Stahlbautechnik um 14 Prozent von 3.902 auf 4.451 Lehrlinge gestiegen.

Der von Wirtschaftsminister Martin Bartenstein angekündigte Verordnungsentwurf, der es ermöglicht, 800 Facharbeiter aus den neuen EU-Ländern nach Österreich zu holen, sei zur Stunde noch nicht zur Begutachtung eingelangt, so Engelmann. Der Entwurf werde aber stündlich erwartet. (APA)

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