Zeitung: Vermisster General ist zu den USA übergelaufen

9. März 2007, 11:43
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Ehemaliger Vize-Verteidigungsminister Alireza Asghari wird seit einem Monat gesucht

Kairo/Tel Aviv - Der vor einem Monat in der Türkei verschwundene ehemalige iranische Vize-Verteidigungsminister und General Alireza Asghari soll nach Informationen der übernationalen arabischen Zeitung "Al-Sharq al-Awsat" in die USA geflohen sein. Die Zeitung berichtete am Dienstag unter Berufung auf "hochrangige Informanten", Asghari sei am 7. Februar nur wenige Stunden nach seiner Ankunft in Istanbul untergetaucht und habe Asyl in den USA beantragt.

Spekulationen

Die Zeitung schrieb, der ehemalige hohe Funktionär der Revolutionswächter (Pasdaran) kenne viele militärische Geheimnisse und könne möglicherweise auch Angaben zum iranischen Atomprogramm machen. Der iranische Außenminister Manouchehr Mottaki hatte am Montag erklärt, Asghari sei "spurlos verschwunden". Die Türkei sei für sein "Schicksal" verantwortlich. Zuvor war spekuliert worden, der iranische Ex-General sei entweder vom US-Geheimdienst CIA oder vom israelischen Mossad entführt worden. Israel bestreitet dies. Die israelische Zeitung "Maariv" berichtete am Dienstag, der Geheimdienst habe den Schutz für Vertreter des israelischen Staates im Ausland erhöht, weil er wegen dieser Spekulationen Racheakte befürchte.

Gül lobt Iran

Der türkische Außenminister Abdullah Gül hatte in einer Publikation der regierenden islamischen Gerechtigkeits- und Entwicklungspartei (AKP) zuletzt auf die spürbare Verbesserung der Beziehungen zwischen seinem Land und dem benachbarten Iran hingewiesen. Der gegen Teheran erhobene Vorwurf des "Exports der islamischen Revolution" sei überholt. "Unser Bild vom Iran ist heute ein ganz anderes", schrieb Gül in Anspielung auf den außenpolitischen Kurs des verstorbenen Ministerpräsidenten Bülent Ecevit, der im Jahr 2000 Teheran beschuldigt hatte, ein Spionagenetz in der Türkei zu unterhalten, um die Islamisierung voranzutreiben.

Die Regierung in Teheran war von einem verurteilten Journalistenmörder, Irfan Cagirici, als Auftraggeberin einer Reihe von politischen Morden in der Türkei genannt worden. Der islamische Fundamentalist hatte nach Erkenntnissen der türkischen Polizei seine Ausbildung im Iran erhalten und ein "Operations-Team" in der Türkei geleitet.

Fotos veröffentlicht

Die türkische Presse hatte Fotos von 13 iranischen Diplomaten veröffentlicht, die auf Grund der Aussagen Cagiricis als Lenker von terroristischen Kommandos identifiziert wurden. Zahlreiche Exil-Iraner in der Türkei waren Mordanschlägen zum Opfer gefallen. Cagirici hatte auch den Diplomaten Ahmad Aghighi, der während der Kurdenmorde 1989 in Wien tätig war, als "Experten in Mordtechniken" entlarvt. (APA/dpa)

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