"Der Außenfeind heißt Polizei"

6. März 2007, 13:02
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Exekutive für Rapid-Prä­sident Edlinger zu wenig deeskalierend - Günther Marek vom Innenminis­te­rium: Beamte von Anfang an beworfen

Wien - Zu heftigen Kontroversen führten die Ausschreitungen beim Wiener Derby zwischen dem FK Austria und dem SK Rapid vom Sonntag auch bei der SPÖ-Sportenquete. Rapid-Präsident Rudolf Edlinger und Bundesliga-Vorstand Georg Pangl warfen der Exekutive vor, nicht deeskalierend vorgegangen zu sein. Der Leiter der nationalen Fußballinformationsstelle im Innenministerium, Günther Marek, verteidigte dagegen das Vorgehen der Polizei und forderte die Vereine auf, Verantwortung zu zeigen.

"Der Sonntag war ein Lehrbeispiel"

"Der Sonntag war ein Lehrbeispiel", betonte Edlinger. Hardcore-Fans, "um den Begriff Hooligans zu vermeiden", hätten kaum noch politische Motive bei ihren Aktionen. "Der Außenfeind heißt Polizei." Wenn diese nicht versuche, deeskalierend vorzugehen, habe dies solidarisierende Effekte innerhalb der Fans. "Die Polizei ist nicht hineingegangen, nachdem Bänke geflogen sind, sondern die Bänke sind geflogen, nachdem die Polizei hineingegangen ist, um zwei Betrunkene zu verhaften", sagte Edlinger.

Pangl fragte, warum zunächst medial angekündigt worden war, das Match habe Testcharakter für die Sicherheit bei Fußballspielen, weil Österreich in der Auslage stehe. Man habe damit erst auf die Bedeutung des Spiels und auf das Interesse der Öffentlichkeit daran hingewiesen. Außerdem erneuerte der Bundesligavorstand seine Kritik an der mangelnden Deeskalation seitens der Polizei.

"Man muss sich die Vorgeschichte anschauen"

Marek wies die Kritik Edlingers zurück: "Man muss sich die Vorgeschichte anschauen." Begonnen habe es mit der angemeldeten Demonstration der Rapid-Fans durch Favoriten, die bereits eine starke Polizeipräsenz erforderlich gemacht habe. Zudem hätten sich einzelne Fangruppen der Demo nicht angeschlossen, sondern seien auf eigene Faust zum Stadion gezogen.

Dabei gab es prompt erste Auseinandersetzungen, so Marek. Damit könnte er unter anderem einen Tumult gemeint haben, der sich vor dem Spiel am Verteilerkreis zugetragen hat, was von der Wiener Polizei zunächst aber offiziell dementiert wurde.

Marek widerspricht Edlinger

Der Spielverlauf mit der sehr schnellen 2:0-Führung für die Violetten machte die Sache dem Sicherheitsexperten zufolge zusätzlich prekär. Marek widersprach der Darstellung Edlingers: "Es waren eben nicht nur zwei Betrunkene, die verhaftet werden sollten, sondern es wurden die ganze Zeit Gegenstände auf die WEGA (Wiener Einsatzgruppe Alarmabteilung, Anm.) geworfen." Auch seien Ordner bereits in der ersten Minute angegriffen worden, die WEGA musste bereits hier einschreiten. Man müsse fragen, "ob man gar nicht mehr eingreift", sagte der Innenministeriums-Experte.

"Man muss auch als Verein Verantwortung zeigen und sagen: 'Ich distanziere mich'", sagte Marek. Er wies außerdem darauf hin, dass es gerade im Franz Horr-Stadion immer wieder Probleme gebe. "Es ist eines der am schwersten zu sichernden Stadien in Österreich", betonte Marek. Er kündigte einen Sicherheitsgipfel zwischen Innenminister Günther Platter (V) und den Verantwortlichen der Bundesliga an.

Edlingers Vorschlag

Die Sicherheitsvertreter würden es begrüßen, wenn Derbys künftig nur noch im sicheren, weil weitläufigen Happel-Stadion über die Bühne gingen. Dem kann Edlinger nichts abgewinnen, dafür aber könnte er sich eine andere Variante vorstellen, die Ausschreitungen bei Duellen der beiden Wiener Erzrivalen unterbinden würde. "Die Exekutive könnte solche Spiele im Vorfeld als Hochsicherheitsrisiko-Spiele bezeichnen und Zuschauer nur gemäß der UEFA-Richtlinien ins Stadion lassen."

Dies würde etwa bedeuten, dass im Horr-Stadion nur rund 5.500 Besucher Platz finden würden, da auf der West- und Osttribüne nur Stehplätze zu finden sind, die bei internationalen Spielen verboten sind. Auch mit der Maßnahme wie vor einem Athen-Derby Olympiakos - Panathinaikos, zu dem keine Fans der jeweiligen Auswärtsmannschaft zugelassen werden, könnte sich der Rapid-Präsident gegebenenfalls anfreunden.(APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Rapid-Präsident Edlinger.

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