US-Amerikanerinnen mit Thallium vergiftet

26. März 2007, 10:37
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Mutter und Tochter im Krankenhaus - Opfer glauben nicht an vorsätzlichen Giftanschlag

Los Angeles - Zwei US-Bürgerinnen, die in Moskau an einer Thallium-Vergiftung erkrankt sind, sehen sich nicht als Opfer eines vorsätzlichen Giftanschlags. Wie die "Los Angeles Times" am Samstag berichtete, gab Yana Kovalevsky (26) Ermittlern in Kalifornien zu Protokoll, dass sie vielmehr an einen Unfall glauben. Die junge Frau und ihre Mutter Marina Kovalevsky (49) werden im Cedars-Sinai-Krankenhaus in Los Angeles behandelt. Die ursprünglich aus der Sowjetunion stammenden Frauen waren am Mittwoch nach Kalifornien zurückgekehrt.

Mitte Februar waren sie zu einer Hochzeitsfeier von Freunden nach Moskau gereist. Eine Woche nach ihrer Ankunft setzten die Vergiftungssymptome ein, darunter Erbrechen, Atemnot und starke Schmerzen. Nach Angaben der Frauen gingen sie regelmäßig in einem Hotel frühstücken. Wie das Gift in ihren Körper kam, können sie sich nicht erklären. Ein Sprecher der US-Botschaft in Moskau sagte dem Sender CNN, die russischen Behörden würden den mysteriösen Vorfall untersuchen.

Gegenmittel

"Es gab keinen einzigen Grund dafür, Marina und Yana zu vergiften", sagte Marinas Bruder, Leon Peck, der "Los Angeles Times". Der in Beverly Hills praktizierende Arzt war rasch mit einem Gegenmittel nach Moskau gereist, um den beiden zu helfen.

Das hochgiftige Thallium wurde bereits mehrfach von Geheimdiensten bei Mordanschlägen auf Menschen verwendet. So versuchte 1981 die DDR-Staatssicherheit, einen Fluchthelfer und dessen Familie auf diese Weise zu töten. Die Geheimdienste der USA und Frankreichs stehen nach russischen Angaben ebenfalls im Verdacht, Thallium in den Zeiten des Kalten Krieges eingesetzt zu haben. Auch im Fall des Ende 2006 vergifteten russischen Ex-Geheimdienstagenten Alexander Litwinenko fiel der Verdacht zunächst auf Thallium. Der in London lebende Kreml-Kritiker starb aber nach Behördenangaben an der radioaktiven Substanz Polonium 210. (red/APA/dpa)

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