Warnstreik in Frankreich

6. März 2007, 19:12
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Beschäftigte reagieren mit Warnstreik auf harten Sanierungsplan - In Toulouse beteiligten sich bis zu 15.000 Menschen

Toulouse - Mehrere tausend Beschäftigte des europäischen Flugzeugherstellers Airbus haben am Dienstag mit einem Warnstreik auf die angekündigten harten Sanierungsschnitte des europäischen Flugzeugbauers reagiert. Zu dem Aktionstag hatten die französischen Gewerkschaften aufgerufen. Am Airbus-Hauptsitz in Toulouse beteiligten bis zu 15.000 Menschen an den Protesten.

"Ich hoffe, dass dieser Aktionstag die Sache in Bewegung bringen wird. Es ist nicht normal, dass Airbus in Frankreich so benachteiligt wird", erklärte Jean-Francois Knepper, französischer Co-Präsident des europäischen Airbus-Betriebsrats in Toulouse. Das Ziel sei nicht, dass man den anderen verschlinge, sondern dass jeder zu essen habe, sagte Knepper weiter. Die französische Gewerkschaft Force Ouvriere (FO) hatte die im Sanierungsprogramm "Power8" vorgesehene neue deutsch-französische Arbeitsteilung bei Airbus als unannehmbar bezeichnet.

Im Airbus-Werk Saint-Nazaire, das verkauft werden soll, legten rund 90 Prozent der insgesamt 2.400 Mitarbeiter die Arbeit nieder. In Meaulte, für das die Airbus-Mutter EADS einen industriellen Partner sucht, demonstrierten mehr als 1.500 Mitarbeiter gegen das "Trauma Airbus". "Wir wollen keinen Industriepartner. Das ist der Beginn eines allmählichen Ausgliederungsprozesses von Airbus", sagte einer der Gewerkschaftsführer.

Stellenstreichungen ohne Kündigungen

Frankreichs Wirtschaftsminister Thierry Breton versicherte am Dienstag im Rundfunk, dass niemand auf "der Strecke bleiben wird". Die 10.000 Stellenstreichungen, die der Sanierungsplan europaweit vorsieht, sollten ohne Kündigungen vorgenommen werden. "Wir müssen so vorgehen, dass die Zahl der Mitarbeiter bis 2010 von 55.000 Mitarbeitern durch vorzeitigen Ruhestand und freiwillige Vertragsauflösung auf 50.000 sinkt", erklärte Breton. Die Zahl der Leiharbeiter soll von 30.000 auf 25.000 reduziert werden.

Der französische Innenminister und Präsidentschaftskandidat Nicolas Sarkozy verlangte am Montagabend im Fernsehen: "Man braucht einen echten Aktionär, der der industrielle Chef des Unternehmens ist und das Management bestimmt. Man nimmt einfach die Besten, um die besten Entscheidungen zu treffen. Ich will sicher sein, dass die Aufgabenverteilung zwischen Deutschen und Franzosen auf einer Basis der Gleichheit erfolgt. Der Flugzeugbau ist schließlich eine französische Spezialität."

Europaweit 10.000 Stellen

Nach den Plänen der Airbus-Mutter EADS sollen europaweit 10.000 Stellen gestrichen werden, davon 4.300 in Frankreich und 3.700 in Deutschland. Für die deutschen Werke in Varel und Laupheim mit zusammen 2.500 Beschäftigten sowie St. Nazaire-Stadt sucht Airbus Käufer, für Nordenham mit 2.200 Beschäftigten sowie Fulton in Großbritannien und Meaulte in Frankreich Industriepartner.

Unterdessen hat Baden-Württembergs Ministerpräsident Günther Oettinger in Stuttgart versichert, ein Verkauf des Werkes komme für die Landesregierung nur in Betracht, wenn es keine andere Lösung innerhalb des Konzerns gebe. Das letzte Wort sei aber noch nicht gesprochen. Der Verkauf könne sich auch noch über Jahre hinziehen.

Der niedersächsische Landtag hat den Erhalt aller Standorte und Arbeitsplätze im Land gefordert. Die Beschäftigten hätten am allerwenigsten Schuld an der Krise von Airbus. Es sei unverständlich, wie die Airbus-Führung mit den Mitarbeitern umgehe. Die profitablen Werke in Varel und Nordenham müssten im Airbus-Verbund bleiben. (APA/dpa)

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