Grenzenlose Bankenwelt

23. Juli 2000, 21:10

Mit seinem mutigen Coup zeigt Gerhard Randa das Ende nationaler Wirtschaft auf. Von Eric Frey

Gerhard Randa ist kein Mann der halben Sachen. Als der Bank-Austria-Chef 1996 das Land mit dem Angebot für die Creditanstalt überraschte, zerstörte er einen Grundpfeiler der Zweiten Republik - die scharfe Trennung zwischen roter und schwarzer Reichshälfte. Randa schuf einen Bankenriesen, der sich im internationalen Vergleich freilich als Zwerg erwies.

Am Samstag brach Randa wieder ein Tabu: Er hat den Mythos einer eigenständigen nationalen Wirtschaft endgültig zerstört. Mit dem Verkauf seiner Bank an die HypoVereinsbank wurde die neue Realität der Währungsunion Eurozone vorweggenommen: Die nationalen Grenzen verschwinden, und die österreichische Eigentümerschaft wird zu einer reinen Folklore. Die Alpenrepublik ist heute schon Teil einer Wirtschaftsregion, deren Schwerpunkt in München und nicht in Wien liegt.

Dadurch werden im Inland manche "Headquarter"-Dienstleistungen verloren gehen. Auch die schwachbrüstige Wiener Börse muss weitere Federn lassen. Dafür aber koppelt sich Österreich an eine der dynamischsten Wirtschaftsregionen der Welt, was diesen Verlust mehr als aufwiegen wird. Und für intelligente Anleger ebenso wie für Start-up-Firmen gibt es ohnehin nur noch einen europäischen Kapitalmarkt.

Natürlich werden manche wieder "Ausverkauf" schreien, doch das geht an den Realitäten vorbei. Die Übernahme der Bank Austria ist ein Meilenstein in Richtung europäischer Integration, die weder Sanktionen noch Volksabstimmung aufhalten können.

Auch die Beziehung zwischen Politik und Wirtschaft wird neu definiert. Schon heute hat ein amerikanischer Fondsmanager bessere Chancen, bei Randa Gehör zu finden, als ein Wiener Stadtrat. Doch in Zukunft werden Politiker nicht einmal mehr daran denken können, bei der größten Bank des Landes mit einer Bitte anzuklopfen. Es zeugt von seiner politischen Vernunft, dass Bürgermeister Michael Häupl durch sein Ja zum Deal den Zankapfel Bank Austria noch vor den Wiener Wahlen beseitigte.

Als der Standard vor vier Monaten als Erster berichtete, dass zwischen HypoVereinsbank und Bank Austria nicht nur über eine hierzulande so geliebte strategische Partnerschaft - ihr gebt uns Geld und etwas Know-how und lasst uns sonst in Ruhe - gesprochen würde, sondern über eine Übernahme, war die Reaktion meist Unglauben. Wirt-schaftlich würde es ja Sinn machen, hieß es, aber politisch sei es nicht durchsetzbar. Und wieso soll Randa auf seine Rolle als oberster Zampano des Landes verzichten?

Doch Randa hat mehr im Sinn als das Königtum im Schrebergarten. Als er mit HypoVereinsbank-Chef Albrecht Schmidt zu verhandeln begann, hatte er sicher keine totale Übernahme im Sinn. Doch dieser machte ihm rasch klar, dass eine weitere lose Beteiligung `a la WestLB keiner Seite etwas bringt.

Und handeln musste die Bank Austria. Das Internet heizt den Wettbewerb im Geldgeschäft an und zwingt Europas Banken zu Milliardeninvestitionen. Selbst ein Riese wie die Dresdner Bank fühlt sich überfordert und sucht einen Partner. Die Bank Austria mit ihrem Bauchladen wäre allein untergegangen. Nun hat sie für ihre Osteuropa-Expansion Ressourcen in der Hand, von der etwa die Erste Bank nur träumen kann.

Deshalb beugte sich Randa schließlich der "Alles oder nichts"-Forderung der Bayern und verwarf alle zuvor diskutierten Schritt-für-Schritt-Lösungen. Die vollständige Übernahme der Bank durch Aktientausch ist auch das beste Ergebnis für die Aktionäre, die nach einer jahrelangen Durststrecke mit diesem Wert endlich einen schönen Kursgewinn einstreifen können.

Für die Mitarbeiter der Bank beginnt wieder eine Zeit des Umbruchs, mit Aufstiegschancen für die Besten. Und auch Randas Karriere gewinnt neue Perspektiven. Er ist sechs Jahre jünger als der 62-jährige Schmidt. Möglich, dass im Jahre 2003 ein Österreicher an der Spitze eines globalen Bankenriesen steht.

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