Förderung einer fundierten Berufsentscheidung

31. März 2003, 10:38
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„Die Erkenntnis, dass die Koedukation den Mädchen in ihren Entfaltungsmöglichkeiten wenig gebracht hat, die Tatsache, dass in Jugendzentren Mädchen oft nur als Freundinnen der Burschen definiert werden und die hohen (Dunkel-) Ziffern von Gewalt und sexuellem Missbrauch an Mädchen machten die Einrichtung einer Institution speziell für Mädchen dringend notwendig.“

Herstory

MAFALDA, der in Graz ansässige Verein zur Förderung und Unterstützung von Mädchen und jungen Frauen, wurde 1989 mit dem unmittelbaren Ziel gegründet, eine Beratungsstelle für Mädchen und junge Frauen zu initiieren. Anfangs mussten die Mitarbeiterinnen häufig erklären, was sie denn unter dem Begriff „Mädchenarbeit“ verstehen. Sie waren auch ständig mit dem Vorwurf der Burschendiskriminierung konfrontiert.

Foto: mafalda

Inzwischen ist „Mädchenarbeit“ in der Steiermark kein Fremdwort mehr. Dennoch ist MAFALDA die einzige steirische Einrichtung geblieben, die sich feministische Mädchenarbeit zum Ziel gesetzt hat. „Wir würden die Initiierung ähnlicher Stellen vor allem im ländlichen Raum sehr begrüßen“, so die Mitarbeiterinnen.

Gründungsmotiv Benachteiligung

Gründungsmotiv war einerseits die Tatsache, dass Mädchen und junge Frauen auf dem Arbeitsmarkt stark benachteiligt sind und schwierige Einstiegsbedingungen in die Berufswelt vorfinden. Dieses Faktum hat sich in den vergangenen Jahren kaum verbessert.

Da sich Mädchen in ihrer Berufswahl nach wie vor auf wenige, typische Lehrberufe beschränken, ist die Erweiterung des Berufswahlspektrums von Mädchen und die Förderung einer fundierten Berufsentscheidung ein Hauptanliegen der Einrichtung. „Die Erfahrung der letzten Jahre hat gezeigt, dass vor allem die Möglichkeit der praktischen Erprobung von Berufsbereichen und das Kennen lernen von weiblichen Vorbildern für das Treffen einer tragfähigen Berufsentscheidung wichtig sind. Dies gilt umso mehr im handwerklich-technischen Bereich, der für viele Mädchen mit Unsicherheiten behaftet ist.“

Foto: mafalda

So ist der Verein inzwischen nicht nur Träger einer Beratungsstelle, sondern setzt auch einen Schwerpunkt mit arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen und führt eine Reihe von Projekten im Bildungsbereich durch. Um die Arbeit nicht auf individuelle Ansätze zu beschränken, werden Betriebe kontaktiert, die Arbeitsmarktsituation öffentlich aufgezeigt und arbeitsmarkt- und frauenpolitische Veranstaltungen organisiert.

Vielfältige Fragen und Probleme

Mädchen und junge Frauen im Alter von 13 bis 21 Jahren wenden sich mit vielfältigen Fragen und Problemen an die MAFALDA-Beratungsstelle, wo eine Psychologin, eine Pädagogin, eine Sozialarbeiterin und eine Ärztin arbeiten. Die Themen reichen von der Berufswahl und –orientierung über psychische Probleme, rechtliche und finanzielle Fragen bis hin zu Schwierigkeiten oder Unsicherheiten mit dem eigenen Lesbischsein und Fragen zu Sexualität, Verhütung und Schwangerschaft.

Eine Grundvoraussetzung für die Beratung ist die parteiliche Haltung für die Mädchen. Das Mädchen oder die junge Frau wird mit ihren Vorstellungen und Problemen als ernstzunehmende Partnerin im Sinne von Hilfe zur Selbsthilfe angesehen. Des weiteren wird an ihren Stärken und Ressourcen angesetzt. „In den vergangenen Jahren unserer Beratungsarbeit hat es uns oft beeindruckt, welche Fähigkeiten und wieviel Kraft Mädchen entwickeln, wenn ihnen genügend Raum und Zeit geboten wird und sie sich ernstgenommen fühlen“, erzählen die Beraterinnen.

Viele Mädchen aus Schulklassen und Jugendzentren nützen das Angebot der Gruppenberatung zu Körper und Sexualität, das inzwischen auch in den steirischen Regionen angeboten werden kann.

Ausgebuchte Kurse

Seit diesem Jahr werden die Kurse zu Selbstbewusstsein / Selbstbehauptung / Selbstverteidigung auch in den Bezirken durchgeführt. Diese Workshops finden vorwiegend an Wochenenden statt und sind im Bereich der Selbstverteidigungskurse mittlerweile im Voraus ausgebucht. Weitere Themen sind z.B. Computer und Internet, Tanzen, Klettern und Erlebniswochen.

Überhaupt wird vermehrt daran gearbeitet, das Angebot des Vereines auch für Mädchen in den Regionen zur Verfügung zu stellen. Dazu werden Workshops in Zusammenarbeit mit Schulen und Gemeinden unter Nutzung regionaler Infrastruktur organisiert.

Mädchenqualifizierung

Was bietet der Verein neben Beratung und Kursangeboten in arbeitsmarktpolitischer Hinsicht? „Das Maßnahmenangebot des Vereins Mafalda will Mädchen und jungen Frauen den Zugang zu nicht-traditionell weiblichen wie neu im Entstehen begriffenen Berufsbereichen (Stichwort innovative Lehrberufe) erleichtern und ihre Qualifizierungsmöglichkeiten erweitern.“

Foto: mafalda

Dazu werden Kurse zur Berufsorientierung angeboten. Im Einzelcoaching werden Mädchen bei der Ausbildungsplanung beraten, bei der Lehrstellensuche unterstützt und beim Qualifizierungspraktikum begleitet. Qualifikationsmodule zur Implementierung innovativer Lehrberufe erfolgen in Zusammenarbeit mit Unternehmen der steirischen Wirtschaft.

Workstations

Das jüngste Projekt Workstations setzt an der Schnittstelle Schule und Unternehmen an und unterstützt einerseits die Schülerinnen bei der Entwicklung eines möglichst breiten Berufsspektrums. So wird geholfen, einer möglichen Beschäftigungslosigkeit durch das sehr beschränkte Lehrstellenangebot in traditionell weiblichen Berufen vorzubeugen. „Andererseits steigt der Personalbedarf in innovativen Bereichen nach wie vor, sodass es auch aus ArbeitgeberInnensicht erforderlich ist, verstärkt Mädchen für innovative (Lehr-) Berufe zu gewinnen.“

Unternehmen, Schule und regionale AkteurInnen werden durch gezielte Information angeregt, sich aktiv an der Etablierung dieser Berufe zu beteiligen. Durch die regionale Verankerung des Projekts ergibt sich ein kundInnennahes und dezentrales Angebot.

Aktuelle Situation

Die Finanzierung MAFALDAs erfolgt durch den Europäischen Sozialfonds, das Arbeitsmarktservice Steiermark, das Land Steiermark, die Stadt Graz sowie durch Bundesministerien. Wie sieht es dieses Jahr aus? „Allgemein sehen wir, dass unsere Angebote und Arbeit auch von Seiten der finanzierenden Stellen sehr geschätzt werden, allerdings spiegelt sich das nicht unbedingt in der Finanzierungsfreudigkeit wieder. So ist für das heurige Jahr die Beratungsstelle noch nicht ausfinanziert.“

Kontakt

MAFALDA
Verein zur Förderung und Unterstützung von Mädchen und jungen Frauen
Glacisstraße 9, 8010 Graz
Tel.: 0316/33 73 00
Fax: 0316/33 73 00 – 90

E-Mail: office@mafalda.at
www.mafalda.at

Daniela Yeoh

Teil 16 der Serie Frauenprojekte in Österreich - Juli 2000
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    foto: mafalda
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