"Die Welt" verlagert journalistischen Schwerpunkt in Online-Auftritt

14. März 2007, 10:27
posten

Newspaper Congress: Zweijähriges Pilotprojekt bei deutscher Qualitätszeitung nach dem Motto: Online first!

Verdrehte Welten bei der "Welt": In einem auf zwei Jahre angelegten Pilotprojekt testet die deutsche Tageszeitung "Die Welt" derzeit ein Model nach dem Motto: Online first! Das Prinzip: Unabhängig vom Redaktionsschluss der jeweiligen Print-Ausgabe sollen die aktuellen Artikel sofort nach Fertigstellung im Internet veröffentlicht werden. Dass das Online-Portal damit die gedruckte Zeitung überflüssig machen könnte, befürchtet Vize-Chefredakteur Romanus Otte nicht, wie er am Montag beim Newspaper Congress in Wien sagte.

Konkurrenz

"Online und Print werden keine Entweder-Oder-Medien sein. Wenn, dann stellt das Internet eine Konkurrenz zum Fernsehen da", ist Otte überzeugt. Der große Vorteil einer Zeitung liege in ihrer physischen Beschaffenheit: "Man kann sie überall mit hinnehmen, zerknüllen, mit Kaffee bekleckern, ohne dass sie kaputt wird...". In der Überzeugung, dass die journalistische und finanzielle Zukunft einer Zeitung von ihrem Internetauftritt abhängt, erwarten die Chefredakteure, dass mit dem Ausbau des Onlineangebots das Printprodukt gestärkt wird.

"Die Welt" will auf ihrer Internetplattform künftig "zu jeder Minute einen journalistisch verlässlichen und immer topaktuellen Überblick des Tages zu geben". 300 bis 350 eigenrecherchierte oder aufbereitete Artikel füllen Online-Angebot der "Welt", dabei gelten die gleichen Qualitätsmaßstäbe wie für das Printprodukt. " Für das Internetportal zeichnen über 30 fest angestellte Online-Journalisten verantwortlich. Und auch für die übrigen Redakteure der Zeitung gilt das Motto: Online zuerst.

Qualitätsfrage

Der Vorteil, den sich das Qualitäts-Flaggschiff der Axel Springer AG davon verspricht: Mit Hilfe der neu gewonnenen Aktualität "erleben Geschichten früher eine Karriere", fördern Diskussionen, Reaktionen und Analysen zu Tage, die dann wieder Einzug in das Printprodukt halten. Die Onlineoffensive sei ein Befreiungsschlag von der bisher vorgeschriebenen Deadline, die sich an Vertrieb und Druck orientiert, mit verlegerischem Denken aber nichts zu tun habe, so Otte. (pte)

  • Bild nicht mehr verfügbar
Share if you care.