Wasserstoff oder: Atom gegen Island

5. März 2007, 22:34
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Der Wasserstoff gilt als Patentlösung für verkehrsbedingte Umweltprobleme - Bis zur Durchsetzung sind jedoch Hürden zu nehmen

Die Frage, welche Motorentechnologie in Zukunft zum Einsatz kommen wird, hängt primär von der zur Verfügung stehenden Energieform ab. Will man von fossiler Energie, also von Benzin und Diesel ganz wegkommen, so erscheint Wasserstoff als geeigneter Lösungsansatz.

Die darin gespeicherte Energie kann man nämlich auf zwei Arten in Bewegungsenergie umsetzen. Einerseits auf gewohnte Weise im Verbrennungsmotor, andererseits kann daraus in der Brennstoffzelle elektrischer Strom gewonnen werden, der dann einen Elektromotor treibt. Zwar sind weltweit schon hunderte Fahrzeuge mit Wasserstoffantrieb im Probebetrieb, doch das heißt noch lange nicht, dass wir schon kurz vor der Einführung dieser Technologie stehen. Zu vieles ist noch offen.

Woher nehmen?

Das größte Fragezeichen ist, woraus Wasserstoff überhaupt hergestellt werden soll. Er ist nämlich - anders als Erdöl - kein Primärenergieträger, man muss ihn erst produzieren. Tausende Tonnen jährlich werden derzeit schon für die Industrie hergestellt, etwa für chemische Prozesse und medizinische Zwecke.

Überwiegend macht man Wasserstoff heute aus Erdgas. Das wäre schon der falsche Ansatz, denn zum Autofahren kann man bekanntlich Erdgas ja gleich verbrennen, der Umweg über den Wasserstoff wäre ein Schildbürgerstreich. Wasserstoff kann aber auch elektrolytisch aus Wasser gewonnen werden. Dann stellt sich wieder die Frage, woher man die riesigen Mengen Strom nehmen möchte. Jedenfalls sollte dieser CO2-neutral hergestellt werden.

Island neues Kuwait?

Die Industrie spricht offiziell immer von Wasserkraft und Solarenergie. Intern ist man sich aber schon sicher: Ohne Atomkraft würde wohl nichts gehen, jedenfalls gibt man das auf Motorenkongressen unumwunden zu.

Island hat sich schon zu Wort gemeldet: Die unerschöpflichen heißen Quellen sollen als Grundlage für den Umstieg auf eine Wasserstoff-Energiewirtschaft dienen. Auch der Export von Wasserstoff ist geplant. Man möchte sozusagen das Kuwait der Zukunft werden. Aber die weltweite Nachfrage werden auch die Isländer nicht erfüllen können, sollten tatsächlich einmal die Autos mit Wasserstoff fahren.

Schwierigeres Handling

Ein ungelöster Punkt ist auch der Transport. Er enthält deutlich weniger Energie pro Kilogramm als Benzin und Diesel. Aber schlimmer ist, dass er als Gas extrem wenig Energie pro Kubikmeter besitzt. Das heißt, er muss entweder komprimiert werden oder gar verflüssigt, was bedeutet, dass man ihn auf minus 253 Grad abkühlen muss.

Auch wenn die Autoindustrie im Wasserstoff kaum ein höheres Gefahrenpotenzial sieht als bei Benzin, Diesel oder Erdgas, ist das Handling in Hochdruckbehältern oder Kühltanks nicht einfach. Um akzeptable Reichweiten zu erlangen, muss der Druck in den Behältern von heute üblichen 350 bar zumindest verdoppelt werden. Mit dem Auftauchen von Wasserstoffautos in den Verkaufshallen kann also nicht vor 2020 gerechnet werden kann.

Nächste Woche: Ethanol (Benzin-Ersatz) und Rapsöl (Diesel-Ersatz) als Alternative. Rudolf Skarics, AUTOMOBIL, 2.3.2007)

  • Strom kommt nicht aus der Steckdose. Und Wasserstoff eben nicht aus der Zapfpistole. Sozusagen.
    foto: bmw

    Strom kommt nicht aus der Steckdose. Und Wasserstoff eben nicht aus der Zapfpistole. Sozusagen.

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