Millionen für die Vierbeiner

27. März 2007, 14:31
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Die Österreicher lassen sich ihre Haustiere jährlich mehr als 400 Mio. Euro kosten - Produzenten überbieten sich mit Bio- und Wellnessprodukten

Wien - Biokost, Snacks, Gourmet-Menüs und Diätfutter: Die Österreicher greifen fürs liebe Vieh immer tiefer in die Geldbörse. Lebensmittelketten und Drogerieketten setzen mit Produkten für Hund und Katz 180 Mio. Euro um, belegt AC Nielsen. 124 Mio. Euro werden allein an Katzen verfüttert. Diskonter, Baumärkte und Fachhändler wie Fressnapf miteingerechnet, wiegt der Heimtiermarkt gute 400 Mio. Euro.

"Wir messen der Branche starkes Gewicht bei", sagt Nicole Berkmann, Konzernsprecherin von Spar. Der Tiernahrung würden breite Verkaufsflächen geboten - obwohl um jeden Zentimeter Regal harter Kampf herrsche. Produkte für Haustiere, etwa eine Spezialmilch für Katzenbabies, sei zudem mitunter kostspieliger als jene für Menschen. Fressnapf wiederum hat im Februar eine eigene Biolinie eingeführt. Der Bedarf an hochwertiger Kost und Wellness-Produkten für die Vierbeiner steige, sagt Unternehmenschefin Heidemarie Obermeier dem Standard.

Zehn neuen Standorte

Fressnapf hat in Österreich in den vergangenen zehn Jahren 70 Standorte eröffnet. Bis Jahresende starten zehn weitere, mittelfristig sind bis zu 120 Filialen geplant. 400 Mitarbeiter setzen 70 Mio. Euro um, 60 Prozent davon mit Tierfutter.

Obermeier sieht da noch Potenzial schlummern. Denn Österreichs Haustiere deckten 70 Prozent ihres Kalorienbedarf mit vorgefertigter Kost. In den USA liege der Anteil bereits bei 97, in Deutschland bei 85 Prozent. Absatzschwung bringe auch der Trend zu kleinen Portionen und trockenem Futter, sagt Nestlé-Manager Markus Marek. "Wir erzielen hier zum Teil zweistellige Umsatzzuwächse." Und er sieht darin auch eine Lösung für das Wiener Hundstrümmerl-Problem: Trockenes Futter werde besser verdaut und verwertet.

Nestlé hält im Lebensmittelhandel mit Marken wie Purina einen Marktanteil von zwölf Prozent. Produziert wird in Europa, geforscht und getestet in den USA und Frankreich - und mitunter auch in der Wiener Zentrale. "Wir verkosten manchmal selbst. Das schadet keinem", versichert Marek.

Der Platzhirsch am Tierfuttermarkt ist dennoch Masterfoods. Der Konzern hält mit Marken von Whiskas über Pedigree bis Sheba mehr als 50 Prozent Marktanteil. 246 Mitarbeiter produzieren in Bruck a. d. Leitha jährlich 100.000 Tonnen Feucht- und Spezialfutter. 72 Prozent werden exportiert.

Aber auch kleinere Hersteller wie Rupp, Koch und Carat mischen mit. Carat, eine Tochter von Arovit Petfood, hat 2003 eine neue Fabrik in Birkfeld gebaut und konzentriert sich auf Marken für Handelsketten, vor allem für Rewe. 70 Mitarbeiter setzen 20 Millionen Euro um. Der Exportanteil liegt bei 60 Prozent. "Wir liefern bis nach Japan und Korea", sagt Firmenchef Heinz Schabreiter. Für den Standort Steiermark spreche die große Zahl an Schlachtbetrieben.

Eigenlabels des Handels haben stark an Terrain gewonnen. Bei Spar läuft jedes fünfte Futterpackerl unter den Eigenmarken Molly und Scotty. (Verena Kainrath, DER STANDARD Printausgabe 06.03.2007)

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    Auch Kleinvieh macht Mist. In Österreichs Haushalten leben rund 600.000 Hunde. Rund um ihren Futternapf herrscht ein scharfer Wettkampf.

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