Von prominent bis legendär

2. April 2008, 18:43
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Das Musikprogramm: Die konzeptionelle Ausrichtung verhindert, dass das Festival zu einer bloßen Seitenblicke-Revue im Einzugsgebiet des avancierten Pop verkommt

Gezählte 105 Veranstaltungen in sieben Spieltagen, davon ein Großteil Musik beziehungsweise musikaffin, bedeuten nicht nur ein dichtes Programm. Das donaufestival präsentiert auch heuer wieder Künstler, deren Status von prominent bis legendär reicht.

Wobei die konzeptionelle Ausrichtung des Festivals verhindert, dass das Festival zu einer bloßen Seitenblicke-Revue im Einzugsgebiet des avancierten Pop verkommt. Denn im Sog der großen Namen werden Bands und Projekte gezeigt, die sich auf den Einfluss einzelner Acts direkt beziehen, deren Erbe pflegen oder weiterführen.

Bestes Beispiel: Throbbing Gristle, kurz TG, die Erfinder der Industrial Music, veröffentlichen heuer nicht nur ihr erstes Studioalbum seit gut 25 Jahren, das donaufestival in Niederösterreich ist neben namhaften Austragungsstätten wie der Londoner Tate Modern oder der Biennale von Venedig der erste Ort, an dem die britische Formation um Genesis P. Orridge und Cosey Fanni Tutti ihr Comeback-Werk aufführen wird.

Im Umfeld von TG bietet das Programm verwandte Künstler wie den Techno-Punk-Pionier Alan Vega von Suicide, die donaufestival-Dauergäste Zeitkratzer, die experimentell-technoiden Rechenzentrum oder die japanischen Noise-Derwische Boredoms, deren prominentester Fan ein gewisser Kurt Cobain war.

Ebenfalls legendär ist die britische Formation Gang Of Four, die im Postpunk der frühen 1980er mit ihrem kalten Funk eine Musik geschaffen hat, die als Blaupause für zeitgenössische Stars wie Franz Ferdinand oder The Rapture gilt: heilig, heilig, heilig!

Selbiges gilt für die am selben Abend auftretenden New Yorkerinnen von ESG, deren reduzierter Funk als herausragendes Beispiel für die New Yorker No Wave steht und deren slicke Grooves nicht nur im HipHop hundertfach gesampelt wurde - sogar Mark E. Smith von The Fall konnte in dem Fall nicht widerstehen.

Workshop mit Lidell

An die Ränder des Pop führt das donaufestival mit Künstlern wie dem Ausnahmesänger Jamie Lidell, dessen Neudeutung von Soul mit den Mitteln elektronischer Musik in den letzten Jahren für gehöriges Aufsehen gesorgt hatte. Er ist im Verein mit Mocky, Gonzales und Pablo Fiasco nicht nur live zu erleben, er veranstaltet auch einen Workshop im Rahmen des Festivals (Anmeldung auf www.donaufestival.at und www.fm4.orf.at).

Weiters zu erleben: Exklusive Auftritte von The Notwist, Fennesz, Schnee & Sand, Zeni Geva, KTL (Pita Rehberg und Stephen O'Malley), Kids On TV, Patrick Wolf sowie das mit großen Namen verschwenderisch umgehende David Tibet Project (siehe "Atmosphärische Schönheit und Härte").

Das - plus ein ausgiebiges Rahmenprogramm - sickert via Halle 1 des Messegeländes, den Klangraum Krems Minoritenkirche, das Avalon Exil sowie den Jazzkeller in die Stadt Krems. (Karl Fluch / SPEZIAL/ DER STANDARD, Printausgabe, 06.03.2007)

  • Die Industrial-Music-Erfinder Throbbing Gristle präsentieren beim donaufestival ihr neues Album live.
    foto: mute

    Die Industrial-Music-Erfinder Throbbing Gristle präsentieren beim donaufestival ihr neues Album live.

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