Embedded Reclamheftchen

5. März 2007, 22:43
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Christoph W. Bauers Theatertext "Miles G." spiegelt im Innsbrucker Westbahntheater Plautus' "Miles Gloriosus" gleich zweifach

Ausgerechnet eine antike Komödie nutzt der dienende Literaturstudent, um seinen Kommandanten mit der Droge "Poein" anzufixen. Christoph W. Bauers Theatertext Miles G. spiegelt Plautus' "Miles Gloriosus" zweifach: Als Stück im Stück, aber auch als Vorlage für die Konstellation zwischen Soldat und Untergebenem. Thomas Gassner fiebert den infantilen Macho, Alexander Kratzer glänzt als Palaestrio.

Beide sind ambivalent: Der Kämpfer, eine Hermann Maier/Don Quixote-Figur, weiß sich voll gepumpt mit Propaganda. Und der "Fahrer und Funker" leidet darunter, wenig funky zu sein. So bringt er die Literatur keineswegs nur therapeutisch ein, sondern als Waffe. Manfred Schild inszeniert dynamisch, die Camouflage-dominierte Ausstattung legt Distinktion ins Detail, wenn Palaestrio sein Moleskine-Büchlein mit im Camp hat, während dem müden Miles das Reclamheft wie ein Brett vorm Kopf an der Stirne picken bleibt. (pen/ DER STANDARD, Printausgabe, 06.03.2007)

Westbahntheater, Innsbruck, bis 25. 3.
  • In "Miles G." droht einer (Alexander Kratzer) dem anderen
(Thomas Gassner) mit dem Reclamheft.
    foto: westbahntheater/ florian schneider

    In "Miles G." droht einer (Alexander Kratzer) dem anderen (Thomas Gassner) mit dem Reclamheft.

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