Soldaten berichten von traumatischen Erfahrungen in Militärklinik

7. März 2007, 18:21
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Anhörung von Parlamentsausschuss in Walter-Reed-Krankenhaus

Washington - Im Kriegseinsatz verletzte US-Soldaten haben am Montag vor einem Parlamentsausschuss von ihren traumatischen Erfahrungen im renommierten Walter-Reed-Militärkrankenhaus berichtet. Abgeordnete kamen zu der Anhörung in der betroffenen Klinik in Washington zusammen, die wegen Vorwürfen unhaltbarer hygienischer und organisatorischer Zustände in den Blickpunkt der Politik geraten ist.

Die Behandlung ihres Mannes, der im Irak verletzt wurde, habe sich unverantwortlich lange verzögert, sagte eine Zeugin. Ein ehemaliger Soldat berichtete, er sei nach seiner Entlassung aus stationärer Behandlung nur mit einer Karte des Geländes ausgestattet worden und habe selbstständig nach seiner Unterkunft als ambulanter Patient suchen müssen. Dort habe er zwei Wochen in seinem Zimmer gesessen und sich gefragt, wann jemand wegen der weiteren Behandlung Kontakt zu ihm aufnehmen würde.

"Dies ist der absolut falsche Umgang mit unseren Soldaten", erklärte der Vorsitzende des zuständigen Parlamentsausschusses, der Demokrat John Tierney, bei der Anhörung am Montag. Er äußerte die Einschätzung, dass sich die unhaltbaren Zustände durch das gesamte Militärgesundheitswesen zögen. Er fürchte, "diese Probleme reichen weit über die Mauern von Walter Reed hinaus", sagte Tierney. Und je mehr Truppen im Irak und in Afghanistan im Einsatz seien, desto größer würden die Probleme. Er stellte die Frage, ob die Zustände in der Einrichtung "nur eine weitere schreckliche Folge" unzureichender Kriegsplanung seien.

Rattenverseucht

Von den Berichten über die Walter-Reed-Klinik aufgerüttelte Abgeordnete haben schnelle Reformen und einen unabhängigen Untersuchungsausschuss gefordert. "Der Gedanke, dass Männer und Frauen ihrem Land auf die ehrenwerteste und mutigste Weise dienen und wir ihnen für ihre Genesung nur ein baufälliges, von Ratten verseuchtes, verwahrlostes Gebäude zur Verfügung stellen, ist eine Schande", schrieb der Senator Charles Schumer am Sonntag an Verteidigungsminister Robert Gates. "Ich fürchte, dass Walter Reed nur die Spitze eines Eisbergs darstellt." Das Weiße Haus hat einen parteiübergreifenden Ausschuss angekündigt, der prüfen soll, ob solche Probleme auch in anderen Einrichtungen auftraten.

US-Heeresminister Francis Harvey hatte wegen des Krankenhaus-Skandals am Freitag offiziell seinen Rücktritt eingereicht. Die Vorwürfe bezogen sich sowohl auf Berichte über untragbare hygienische Zustände - wie Mäuse und verschimmelte Pflaster - als auch auf sehr lange Wartezeiten vor allem für ambulante Patienten. (APA/AP)

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