Kleine Schwankung – große Wirkung

8. März 2007, 08:00
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Mit der Euribor Spread-Anleihe der HSH Nordbank die Zinsstrukturkurve "steil" gehen - von Christian Scheid

Selten waren sich die Banken in der Einschätzung der Rentenmärkte so einig wie derzeit. Bei Anleihen raten sie nahezu unisono zu Investments in kurze Laufzeiten von ein bis zwei Jahren. Grund: Angesichts der flachen Zinsstrukturkurve bringen länger laufende Papiere keinen nennenswerten Aufschlag. Und ziehen die Zinsen wieder an, sind die Investoren beweglicher und können in Langläufer umschichten. Beeindruckend ist die Verzinsung für kurzlaufende Papiere allerdings nicht – rund vier Prozent p.a sind derzeit drin. Für konservative Anleger kann in diesem Umfeld die kapitalgarantierte Euribor Spread-Anleihe der HSH Nordbank eine Alternative sein (ISIN DE 000 HSH 2HW 7). Allerdings setzen Käufer mit diesem Papier nicht direkt auf höhere Zinsen, sondern auf einen Anstieg der positiven Differenz zwischen mittel- und kurzfristigen Zinsen.

Das erste halbe Jahr verläuft risikolos: Für beide Drei-Monats-Zeiträume erhalten Anleger eine garantierte Verzinsung von fünf Prozent p.a. Erst ab der dritten Betrachtungsperiode, also nach neun Monaten, wird für die Zinszahlung die Differenz aus dem Zwölf- und dem Drei-Monats-Geldmarktsatz Euribor gebildet und mit 15 multipliziert. Sollte diese Summe negativ sein, wird für die Periode die Verzinsung mit null Prozent angesetzt. Beispiel: Aktuell beträgt der Unterschied zwischen den Sätzen 0,249 Prozent. Weitet sich die Differenz auf 0,35 Prozentpunkte aus, wird diese mit 15 multipliziert und Anleger bekommen für die betreffenden drei Monate einen Satz von 5,25 Prozent gutgeschrieben. Engt sich der Spread dagegen auf 0,15 Prozent ein, ernten Investoren nur noch 2,25 Prozent. Und fällt die Differenz auf null oder kommt es bei den kurzen Laufzeiten sogar zu einer inversen Zinsstruktur, bekommen Investoren keine Gutschrift, verlieren dank der Kapitalgarantie aber zumindest auch kein Geld. Die Zinszahlungstage sind bis zur Fälligkeit im März 2009 jeweils der 28. März, Juni, September und Dezember, die relevanten Sätze werden vier Tage zuvor festgestellt.

Die Hoffnung der Anleger besteht also in einer Ausweitung des Spreads. Trotz flacher Zinsstrukturkurve ist dieser momentan aber nicht gering: Auch wenn er 2006 zum Teil oberhalb von 0,4 Punkten verlief, gab es in den vergangenen Jahren immer wieder monatelange Phasen, in denen Anleger keine Zinsen erhalten hätten – etwa 2001 und 2003. Eine grundlegende Veränderung der Zinslandschaft erwarten Analysten zudem vorerst nicht. So rechnen laut einer Umfrage des Nachrichtendiensts Bloomberg europäische Großbanken bis zum dritten Quartal 2008 nicht mit nachhaltigen Änderungen des Drei-Monats-Euribors.

Fazit: Wegen der enormen Hebelung ist eine seriöse Aussage über die künftige Verzinsung des Zertifikats nicht möglich. So schwankte der mit dem Faktor 15 gehebelte Spread alleine seit Anfang 2005 zwischen null und mehr als acht Prozent. Um eine angemessene Verzinsung zu erzielen, ist eine Ausweitung des im historischen Vergleich nicht geringen Spreads notwendig. Von einer Zeichnung ist daher zunächst abzuraten. Während der Laufzeit kann das Papier jedoch durchaus Charme entfalten.

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