Ungewöhnliche Weltpremiere

11. März 2007, 08:00
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Mit dem „HSC Optivita Europe LV Index“-Zertifikat können Anleger am Zweitmarkt für Lebensversicherungen partizipieren - von Christian Scheid

„Vorhang auf“ für eine Weltpremiere: Mit dem „HSC Optivita Europe LV Index“-Zertifikat (ISIN DE 000 DR2 WAT 5) kommt erstmals ein Produkt auf den Markt, das den Zweitmarkt für Lebensversicherungen in Deutschland und Großbritannien in die Struktur eines Zertifikats packt. Hinter der Neuheit stehen der Anbieter für geschlossene Fonds HCI bzw. die Tochter HSC, die das Produkt konzipierte, sowie die Dresdner Bank, die für die Emission zuständig ist. Um eines gleich vorwegzunehmen: Das Papier bietet zwar eine interessante Investmentstory, ist aber mit einem klassischen Index-Zertifikat nicht zu vergleichen. Das fängt bei der Handelbarkeit an und reicht bis zur Berechnung des Underlyings.

Aber von Anfang an: Der Basiswert ist ein Index, der die Wertentwicklung eines Portfolios von deutschen und britischen Lebensversicherungspolicen abbildet. Sie stammen von Personen, die aus unterschiedlichen Gründen aus dem LV-Vertrag aussteigen wollen. Der Ankäufer achtet darauf, dass er die Police unter dem inneren Wert erhält. Daraus resultiert eine Renditechance, die zusammen mit den garantierten Mindestverzinsungen (im deutschen Markt) und den Überschussanteilen aus den Aktienanteilen der Policen (vornehmlich bei englischen Verträgen) den möglichen Ertrag ergibt. Der zu erwartende Gewinn lässt sich näherungsweise prognostizieren und wird im Zeitablauf in den Index eingerechnet. HCI erwartet aus dem Zertifikat eine Kapitalrückzahlung von rund 200 Prozent was bei der gut zehnjährigen Laufzeit eine steuerfreie Rendite von 7,2 Prozent p.a. ergeben würde.

Das eingesetzte Kapital ist durch die Solidität der Versicherungskonzerne, von denen die Policen stammen, geschützt. Diese unterliegen einer strengen Regulierung, sodass kaum Ausfälle zu befürchten sind. Dennoch handelt es sich bei dem Zertifikat um kein kapitalgarantiertes Produkt im strengen Sinn. Denn sollte es zu einem Versicherungscrash kommen, sind Ausfälle und damit Verluste beim Zertifikat möglich. Es gibt aber noch weitere Besonderheiten zu beachten: So beträgt der Ausgabeaufschlag für das Zertifikat in der ersten Zeichnungsphase (bis 30. März) dicke 4,5 Prozent, der sich in der zweiten Zeichnungsphase (2. April bis 20. Juli) sogar auf fünf Prozent erhöht. Außerdem ist kein börsentäglicher Handel möglich, da der LV-Index nur einmal zum Ende eines jeden Quartals berechnet wird. Immerhin: Dem Inhaber wird zum Ende eines jeden Quartals, beginnend ab dem 31. März 2010, ein vorzeitiges Rückgaberecht eingeräumt. Ungewöhnlich für Zertifikate ist auch die empfohlene Mindestanlagesumme von 10.000 Euro.

Fazit: Das hohe Agio sowie die beschränkte Handelbarkeit zeigen: Das LV-Zertifikat ist vor allem als flexiblere Alternative zu geschlossenen Fonds für Lebensversicherungen gedacht, die bekanntlich als unternehmerische Beteiligung geführt werden. Für „große Depots“ macht die Anlageklasse Lebensversicherung durchaus Sinn, um das Portfolio zu diversifizieren. Dafür spricht auch die eingeschränkte Korrelation zu Aktien und die geringere Volatilität. Der „durchschnittliche“ Privatanleger muss diese Neuheit jedoch nicht haben.

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