Spannung vor der Bekanntgabe des Descartes-Preises

7. März 2007, 18:25
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13 Forschungsprojekte sind nominiert - zwei davon haben österreichische Beteiligung

Wien - Der mit einer Million Euro dotierte diesjährige Descartes-Preis der Europäischen Kommission wird am Mittwoch (7. März) in Brüssel vergeben. Unter den 13 nominierten Projekten finden sich zwei mit österreichischer Beteiligung: Innsbrucker Experimentalphysiker gehen mit "QGates" ins Rennen, Forscher vom Wiener Institut für Molekulare Biotechnologie (IMBA) der Akademie der Wissenschaften (ÖAW) mit "Apoptosis". Bis zu fünf Projekte können sich das Preisgeld teilen.

"QGates"

An dem internationalen Projektteam von "QGates" (Quantum Gates and Elementary Scalable Processors Using Deterministically Addressed Atoms) ist eine Arbeitsgruppe von Rainer Blatt, Vorstand des Instituts für Experimentalphysik der Universität Innsbruck und Leiter des Instituts für Quantenoptik und Quanteninformation (IQOQI) der ÖAW, beteiligt. Das Projekt beschäftigte sich mit den Grundlagen des Quantencomputers: der gezielten Nutzung von so genannten Quanteneffekten. "Ziel und Inhalt dieser Forschungen war die Untersuchung von Techniken der atomaren, molekularen und optischen Physik zur präzisen Kontrolle von einzelnen Quantenteilchen. Mit solchen Techniken ist es möglich, einmal einen skalierbaren Quantencomputer zu bauen", so Blatt.

Der Zusammenarbeit von insgesamt 14 Arbeitsgruppen aus Österreich, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, der Slowakei und Spanien steuerten die Innsbrucker entsprechendes Handwerkzeug bei: 2004 gelang es der Gruppe um Blatt, die weltweit erste Teleportation mit Atomen zu demonstrieren, also die Übertragung eines Zustandes eines atomaren Teilchens auf ein zweites Teilchen. Im Jahr 2005 erzeugten die Forscher zum ersten Mal ein "Quantenbyte". Dies gilt als wichtiger Schritt auf dem Weg zum Quantencomputer. IQOQI-Direktor Blatt erhielt für seine Forschungen im Vorjahr den Erwin Schrödinger-Preis.

"Apoptosis"

Die Ermittlung von zellulären Mechanismen rund um die so genannte Apoptose, den programmierten Zelltod, standen im Mittelpunkt des Projekts "Apoptosis - Apoptosis Pahways in Cancer und AIDS". Sechs europäische Forschungseinrichtungen aus Frankreich, Dänemark, Deutschland, Italien, Schweden sowie Österreich unter Beteiligung einer Gruppe um den IMBA-Direktor Josef Penninger forschten unter Leitung von Guido Kroemer vom Centre Nationale de la Recherche Scientifique (CNRS). Penninger und Kroemer kennen sich aus ihrer Studienzeit in Innsbruck. Sie konnten gemeinsam u.a. einen wichtigen Schüsselfaktor für programmierten Zelltod charakterisieren, den so genannten AIF (apoptosis inducing factor). Dieses Protein ist in bestimmten Organellen der Zelle, den Mitochondrien, lokalisiert und wesentlich an der Kontrolle der Apoptose beteiligt.

Das internationale "Apoptosis"-Konsortium klärte in den vergangenen Jahren wesentliche Mechanismen auf, die dem programmierten Zelltod zu Grunde liegen. Die Forscher erkannten, dass es beim Absterben der Zellen einen "point of no return" gibt, der sich in einer erhöhten Durchlässigkeit der Mitochondrienmembran äußert. Eine wichtige Erkenntnis für die Medizin: Hier suchen Wissenschafter nach Möglichkeiten, massenhaftes Zellsterben - etwa nach Schlaganfällen - durch medikamentöse Intervention zu verhindern. Therapien, die an zellulären Ereignissen nach dem "Point of no Return" ansetzen, sind zum Scheitern verurteilt.

Neben Auslösern der Apoptose konnte das internationale Konsortium auch bisher unbekannte Vorgänge aufklären, die den programmierten Zelltod unterdrücken. Dieses Wissen und die gesammelte Expertise wenden die beteiligten Gruppen in erster Linie auf die Erforschung von Krebs- und Aids-Erkrankungen an. In der Krebsforschung ist das Ziel, Resistenzen gegen Chemotherapien zu verhindern. Im Fall einer Aids-Infektion geht es darum, die durch das HI-Virus verursachte Apoptose im lymphatischen System und im Gehirn zu verhindern. Auf beiden Gebieten wurden bereits erste Erfolge erzielt.

Der Preis

Der Descartes-Preis der europäischen Kommission ist nach dem französischen Philosophen und Mathematiker Rene Descartes (1596-1650) benannt. Die im Jahr 2000 ins Leben gerufene Auszeichnung für Forschung wird an Wissenschafterteams vergeben, die im Rahmen grenzüberschreitender Forschungsvorhaben herausragende wissenschaftliche und technologische Ergebnisse erzielt haben. Neben dem Descartes-Forschungspreis wird seit 2004 auch der Descartes-Preis für Wissenschaftskommunikation vergeben. Unter den 33 Nominierten aus 17 Ländern findet sich ebenfalls ein Beitrag aus Österreich: in der Kategorie "Popularisierung von Wissenschaft durch audio-visuelle und elektronische Medien" der Film "Europe: a Natural History". Insgesamt fünf Preisträger können sich letztendlich den mit 275.000 Euro dotierten Preis teilen. (APA)

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