Die Spinne mit dem Keuschheitsgürtel

13. März 2007, 18:16
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Männliche Wespenspinnen booten die Konkurrenz aus, indem sie die Geschlechtsöffnung ihrer Partnerin nach der Paarung verstopfen

Bonn/Hamburg - Männchen der Wespenspinne (Argiope bruennichi) legen Weibchen nach der Paarung eine Art "Keuschheitsgürtel" an. Damit versuchen die Tiere ihren Erfolg bei der Vermehrung zu sichern, berichtete die Universität Bonn am Montag. Demnach verstopften die im Zuge der Begattung die Geschlechtsöffnung ihrer Partnerin, fanden Biologen um Gabriele Uhl (Universität Bonn) und Jutta Schneider (Universität Hamburg) heraus. Sie berichten im Journal "Behavioral Ecology" (Bd. 18, S. 174) über diesen Mechanismus.

Der Paarungsakt

Wenn ein Wespenspinnen-Männchen eine potenzielle Partnerin entdeckt habe, bringe er sie in Stimmung, indem er an ihrem Netz rüttele, erklären die Wissenschafter. Das Weibchen stütze sich daraufhin hochbeinig vom Netz ab. Das viel kleinere Männchen könne nun unter ihren Körper kriechen. Ein mit Spermien gefüllter Taster am Kopf des Männchens klappe daraufhin aus und raste beim Weibchen in die Geschlechtsöffnung ein.

Das Weibchen setzt nach den Erklärungen der Forschergruppe dem Zusammensein meist schon nach einigen Sekunden ein Ende. Es attackiere ihren Liebhaber und töte ihn, wenn er nicht rechtzeitig fliehe. "Wenn sich das Männchen vom Weibchen löst, bricht in mehr als 80 Prozent der Fälle die Spitze seines Genitals ab", erläuterte die Privatdozentin Gabriele Uhl. "Die Spitze sitzt dann wie ein Korken in der Geschlechtsöffnung und verstopft sie."

Zwei Erkärungsvarianten

Es könnte sich also um einen Mechanismus der Vaterschaftssicherung handeln, durch den weitere Kopulationen des Weibchens verhindert oder erschwert werden. "Das erste Männchen würde so sicher stellen, dass alle Eizellen von ihm befruchtet werden und nicht von nachfolgenden Konkurrenten", erklärt die Gruppe. Eine alternative Erklärung könnte lauten, dass das Abbrechen des Tasters dem Männchen einfach dabei hilft, dem Weibchen zu entkommen. (APA/dpa/red)

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