Innenminister will durchgreifen

5. März 2007, 19:37
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Gewaltbereite Fans und Feuerwerkskörper sollen aus Stadien verbannt wer­den - Rapid-Fans warfen Bänke auf Polizei - Vier Verletzte

Wien - "Der gestrige Vorfall ist überaus schädlich für das Sportland Österreich", ärgerte sich Innenminister Günther Platter (V) nach den Ausschreitungen vor, während und nach dem Wiener Derby zwischen der Austria und Rapid im Horrstadion. Selbst 300 Polizisten konnten nicht verhindern, dass Feuerwerkskörper auf Spieler geworfen, Sitzbänke herausgerissen und Einsatzkräfte attackiert wurden. Platter will nun hart durchgreifen und gewaltbereiten Fans Stadionverbot erteilen.

Hooligan-Datenbank soll erweitert werden

"Die Auswertung der Video-Bänder laufen noch, ich gehe also davon aus, dass es noch weitere Festnahmen geben wird", so der Minister am Montag. Die Beamten seien nach der 3D-Methode - Dialog, Deeskalation, Durchgreifen - vorgegangen und hätten so die Lage schlussendlich in den Griff bekommen.

Kritik an Polizei

Dem widerspricht Thomas Zlabinger, der Sicherheitsbeauftragte der Bundesliga: "Wir sprechen immer von polizeifreien Stadien und deeskalierenden Maßnahmen. Aber von Deeskalation war am Sonntag bei der Vorgangsweise der Polizei im Rapid-Sektor wenig zu sehen."

Aus dem Stadion fern halten

Platter will nun die Randalierer überhaupt von den Fußballplätzen fern halten. Deshalb soll die bereits bestehende Hooligan-Datenbank erweitert werden - anders gesagt: Wer Stunk macht, wird registriert, wer registriert ist, wird aus dem Stadion verbannt.

Maßnahmen gegen Feuerwerkskörper

Ähnlich will der Innenminister auch beim Thema Feuerwerkskörper vorgehen: "Es kann nicht sein, dass man mit Bengalischen Feuern ein Stadion betreten kann." Auch die Vereine seien diesbezüglich gefordert, noch mehr Präventionsarbeit zu betreiben. Platter wird darum in den kommenden Tagen das Gespräch mit den Klubs und der Bundesliga suchen.

Kraetschmer: "Muss Stadionverbote geben"

Austria-Manager Markus Kraetschmer meint entschlossen: "Wir arbeiten mit Nachdruck. Wir werden alles sezieren. Denn es wurde ein Punkt überschritten, das können wir uns nicht mehr gefallen lassen. Solche Fans will ich nicht mehr im Stadion sehen. Ich bin nicht stolz, Eintrittsgeld von solchen Leuten kassiert zu haben. Sobald die Bilder ausgewertet sind, muss es Stadionverbote geben."

Bengalen auf Payer

Was war passiert? Zunächst warfen Fans der Violetten etwa Mitte der ersten Halbzeit bengalische Feuer auf Rapid-Tormann Helge Payer. Das Spiel war für mehrere Minuten unterbrochen. In weiterer Folge lieferten sich Rapid-Anhänger heftige Auseinandersetzungen mit der Polizei. Ein Beamter der Wiener Einsatzgruppe Alarmabteilung (WEGA), ein Linienrichter und zwei Fans wurden laut einer Polizeisprecherin verletzt.

Polizist erlitt Naseinbeinbruch

Der Polizist erlitt einen Naseinbeinbruch, nachdem ihn grün-weiße Gewalttäter mit Fußtritten traktiert hatten. Der Linienrichter erlitt ein Knalltrauma. Es gab mehr als zehn Festnahmen, auch nach dem Spiel kam es zu Auseinandersetzungen unter den Fans.

Schwere Ausschreitungen gab es vor allem im Sektor des Rapid-Anhangs: Nach Informationen der Einsatzkräfte begannen gewaltbereite Hütteldorfer unabhängig von den Aktionen der Austria-Fans gegen den Goalie der Grün-Weißen, Helge Payer, zu randalieren. Polizisten hatten versucht, betrunkene Fans zur Räson zu bringen, die mit Bier um sich geschüttet hatten und damit eine Konfrontation auszulösen drohten. Das brachte die Grün-Weißen in Rage: Die Fans warfen Fahnen auf die Beamten. Die Wurfgegenstände wurden von der Exekutive konfisziert.

Gästesektor zerlegt

Dass die Fahnen im Besitz der Polizei waren, wollten die Gewalttäter nicht hinnehmen. Sie zerlegten die Bänke des Gästesektors und warfen die Teile auf die Beamten. Die WEGA stürmte daraufhin in den Sektor. Dabei wurden zwei der Beamten bei einer Attacke der Fans verletzt, einer davon erlitt einen Nasenbeinbruch. Die Lage beruhigte sich zunächst aber.

Mit Bänken gegen Polizisten

Auf Videobildern identifizierte die Exekutive einige der Hooligans. Nach der Pause kam es zu weiteren Ausschreitungen der Rapid-Fans, die wieder mit abmontierten Bänken die Einsatzkräfte bewarfen. Insgesamt gab es zunächst elf Festnahmen, gegen fünf dieser Gewalttäter wurden Haftbefehle erlassen.

Schlägerei am Verteilerkreis

Nach dem Spiel trafen die Fans beider Mannschaften am Verteilerkreis aufeinander. Sie schossen Leuchtkörper gegen die jeweils andere Gruppe, es soll auch zu Raufereien gekommen sein. In weiterer Folge beruhigte sich die Lage aber.

Haftbefehl gegen Hooligan

Am Abend nahm die WEGA einen weiteren Verdächtigen fest, der sich an den Angriffen gegen einen der verletzten Polizisten beteiligt haben könnte. Er wurde in einem Lokal auf der Linken Wienzeile angetroffen und soll auf Aufnahmen zu sehen sein, wie er den Beamten mit Fußtritten traktierte. Die Zahl der Festnahmen erhöhte sich damit auf zwölf, auch gegen diesen Hooligan wurde ein Haftbefehl erlassen.

Lopatka "entsetzt"

"Entsetzt" zeigte sich Sportstaatssekretär Reinhold Lopatka (V) über die Ausschreitungen. "Gegen solche Rowdies muss man streng vorgehen, will man das positive Bild des österreichischen Fußballs nicht gefährden. Hier muss ein Exempel statuiert werden", forderte der Politiker.

Demonstrationszug

Schon vor dem Spiel war es zu einer Novität gekommen: Der Anhang des SK Rapid war erstmals als angemeldeter Demonstrationszug zum Derby gegen die Austria ins Franz-Horr-Stadion in Favoriten gezogen. Zunächst versammelten sich rund 1.000 Grün-Weiße am Stephansplatz in der City und schossen zunächst Böller und Raketen ab. Auch einige Flaschen wurden geworfen. Danach fuhren die Anhänger mit der U-Bahn zum Reumannplatz. Über die Laxenburger Straße marschierten sie zum Favoritner Verteilerkreis.

Motto als Vorwand

Auf das offizielle Demo-Motto, ein Protest gegen die Verkommerzialisierung des Fußball, deuteten keine Sprechchöre hin. Hingegen zündeten sie weitere pyrotechnische Gegenstände, ein Pkw wurde beschädigt.(APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Kommt eine Sitzbank geflogen...

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