FAO: Weltweit 864 Millionen Menschen unterernährt

13. März 2007, 18:11
4 Postings

In einigen afrikanischen Ländern mehr als zwei Drittel der Bevölkerung betroffen

Wien - Rund 864 Millionen Menschen sind laut Zahlen der Welternährungsorganisation (FAO) aus den Jahren 2002 bis 2004 unterernährt. Der Großteil davon - 834 Millionen - lebt in Entwicklungsländern. Aber auch in industriellen Gebieten leiden 10,9 Millionen Einwohner an Hunger und mangelhafter Ernährung. Besonders schlimm ist die Situation in den asiatischen und afrikanischen Staaten, in denen teilweise mehr als die Hälfte der Einwohner unterernährt ist. In Eritrea und Kongo sind laut FAO (Datenstand: der Zeitraum 2001-2003) sogar 73 bzw. 72 Prozent der Bevölkerung betroffen.

Konflikte, Handelsabkommen, fehlender Landbesitz und Produktions-Förderungen für Exportgüter statt regionaler Nahrungsmittel sorgen in verschiedenen Ländern für Nahrungsmittelknappheit und Hunger, berichtete Ralf Leonhard, Vorsitzender von FIAN Österreich (Netzwerk für das Menschenrecht, sich zu ernähren). Auch Nicaragua, Guatemala, Mexiko, Kolumbien, Bolivien, Paraguay und Brasilien zählen dabei zu jenem Drittel der Länder, in dem die Versorgung der Bevölkerung besonders schlecht ist.

Galoppierende Inflation

Im südafrikanischen Simbabwe leiden 45 Prozent der Bevölkerung an Unterernährung. Eine große Zahl der Haushalte könne sich Lebensmittel dort einfach nicht leisten, erklärte Peter Kuthan, Berater für Entwicklungszusammenarbeit. Durch eine hohe Inflation würden sich die Preise in zwei Monaten verdoppeln, Löhne könnten mit diesem Anstieg kaum mithalten. Neben der Problematik durch Landverteilung verschärfen Dürreperiode die Situation zusätzlich. Mangelernährung sei ein großes Problem, so Kuthan. Bei vielen gebe es täglich nur eine Mahlzeit, wie Maisbrei.

Beispiel Nicaragua

In Nicaragua trifft die Unterernährung laut Ralf Leonhard vor allem die Bewohner der ländlichen Bereiche und Kinder, die auf Grund traditioneller Familienstrukturern erst nach den Männern etwas zu essen bekommen und sozusagen warten müssen, was übrig bleibt. Laut FAO gibt es in dem Land 1,5 Millionen unterernährte Menschen, das sind 27 Prozent der gesamten Bevölkerung. Manche Menschen verhungern regelrecht oder gehen an der chronischen Mangelernährung zu Grunde, so Leonhard. In den vergangenen Jahren sei die Zahl der Unternährten nach einem leichten Rückgang wieder angestiegen.

Das Ernährungsproblem Nicaraguas hänge sehr eng mit der starken Förderung von Exportgütern wie Sesam und Erdnüssen zusammen, durch die heimische Grundnahrungsmittel wie Mais, Bohnen und Gemüse stark vernachlässigt werden, erläuterte Leonhard. Durch Handelsabkommen seien die traditionellen Produkte für den Markt außerdem zu teuer und dadurch die Existenz der Einwohner gefährdet.

Finanzielle Probleme führen zu sozialem Elend

Probleme in der Agrarwirtschaft sorgen auch in Indien für Unterernährung, berichtete Leonhard. Ein großer Teil der Bevölkerung sei vom Fortschritt ausgeschlossen, viele überschuldete Bauern würden Selbstmord begehen und sämtliche Geldforderungen ihren Frauen hinterlassen. Gepfändet und vom eigenen Landbesitz vertrieben, bleibt diesen dann nur mehr die Flucht in die Elendsvierteln von Millionenmetropolen. (APA)

Share if you care.