McEnroe am Boden zerstört

23. Juli 2000, 18:44

Corretja, Costa und Co spielen wahrscheinlich in Barcelona gegen Australien.


Spadeas Handtuch ist zu klein um McEnroe darunter auch noch zu verstecken.
Santander - "Big Mac" war nach der Daviscup-Pleite der Amerikaner in Spanien kleinlaut geworden. "Das ist schon ziemlich enttäuschend", gab John McEnroe, der Kapitän des Rekordsiegers USA, am Samstag nach dem Scheitern im Halbfinale in Santander unumwunden zu. Während die Spanier erstmals seit 33 Jahren und zum dritten Mal überhaupt ins Finale einzogen, konnten der 31fache Daviscup-Gewinner die Ausfälle seiner Spitzenspieler Pete Sampras und Andre Agassi nicht verkraften.

Schon am Samstag waren auf dem roten Sand die Würfel gefallen. Nach den Drei- und Vier-Satz-Siegen von den in Kitzbühel startenden Titelverteidiger Albert Costa und Alex Corretja gegen Todd Martin und Jan-Michael Gambill am Freitag setzte sich auch das spanische Doppel in einem Drama in fünf Akten durch. Corretja und sein Partner Juan Balcells, ebenfalls in Tirol dabei, gewannen vor 10 000 Zuschauern eine Tennis-Schlacht in 4:20 Stunden gegen Martin und Chris Woodruff in 4:20 Stunden und fünf Sätzen.

"Unglaublich. Ein Traum ist wahr geworden", jubelte der überragende Corretja. Die spanischen Tennis-Profis haben nun die ganz große Chance, die "hässlichste Salatschüssel der Welt" erstmals zu gewinnen. Denn im Finale vom 8. bis 12. Dezember haben die Spanier gegen Titelverteidiger Australien, der im Halbfinale in Brisbane Brasilien auf Rasen ausrutschen (5:0) ließ, Heimvorteil. "Jeder haßt es, gegen die Spanier in Spanien zu spielen, denn auf Sand sind sie fast unschlagbar", klagte Australiens Kapitän John Newcombe.

Das Finale wird wahrscheinlich im 17.500 Zuschauer fassenden "Palau Sant-Jordi in Barcelona stattfinden. Corretja, Costa und Balcells sind Katalanen.

Vollmundig war McEnroe vor knapp einem Jahr als Daviscup-Kapitän angetreten und wollte erstmals seit 1995 den Daviscup wieder für Amerika gewinnen. Doch der einstige Weltranglisten-Erste hatte die Rechnung ohne seine Superstars. Nur ein einziges Mal, beim Viertelfinal-Sieg über die Tschechen, spielten Sampras und Agassi zusammen. Zuletzt war "Pistole Pete" nach seinem Wimbledon-Sieg so sehr angeschlagen, dass die Ärzte von einem Daviscup-Einsatz abrieten. Ob allerdings Sampras ausgerechnet auf Sand gegen die Spanier reüssiert hätte, muss bezweifelt werden. Agassi wurde von einem Autounfall gestoppt. In seiner Verzweiflung hatte McEnroe sogar erwogen, sich selbst aufzustellen. "Die Spanier waren mit dem Herzen dabei", sagte "Big Mac" und prophezeite: "Wenn sie diesmal den Daviscup nicht gewinnen, dann schaffen sie es nie."

"Wir sind auf dem besten Weg Geschichte zu schreiben", meinte Corretja nach dem angesichts der Umstände erwarteten Erfolg über die USA. Doch ausgerechnet gegen die Australier haben die Spanier ihre beiden Endspiele 1965 (1:4) und 1967 (1:4) verloren. Allerdings in Sydney bzw. Brisbane und auf Rasen. (APA/dpa/AFP)

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