Polnischer Mittelstand im Paket

6. März 2007, 08:00
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Mit einem Open End-Zertifikat auf den MIDWIG fahren Anleger auf der Überholspur - von Christian Scheid

Am 1. Mai 2004 feierte Polen als eines von zehn Ländern den Beitritt zur Europäischen Union (EU). Befürworter sahen in der Aufnahme des Landes einen notwendigen Schritt in Richtung Globalisierung der EU. Skeptiker hingegen prophezeiten der polnischen Wirtschaft unter dem westeuropäischen Konkurrenzdruck den Untergang. Doch bereits ein Jahr später waren diese Stimmen weitgehend verstummt. Polen schüttelte nach und nach alle übrigen Beitrittskandidaten ab und steht heute in seiner Entwicklung nur noch knapp hinter den „alten“ EU-15-Mitgliedstaaten. 2006 verzeichnete das Land ein Wachstum von rund 5,2 Prozent und auch für 2007 wird mit rund fünf Prozent ein nur marginal geringeres Ergebnis erwartet.

Doch es ist nicht alles Gold, was glänzt: Obwohl das Haushaltsaldo in 2006 gesunken ist, wird die Staatsverschuldung im Jahr 2007 wohl erstmals die 50-Prozent-Marke überschreiten. Hinzu kommt, dass Polen mit einer Arbeitslosenquote von 14,9 Prozent weiterhin trauriger Spitzenreiter in der EU ist. Zudem sprechen die Schachzüge des regierenden Brüderpaars Kaczynski eigentlich nicht gerade für eine massive Verbesserung dieser wichtigen Kennzahlen. Doch trotz der Kurskorrektur im Januar bleibt der polnische Leitindex WIG 20 auf der Überholspur. Seit dem EU-Eintritt hat das Barometer auf Euro-Basis 145 Prozent an Wert gewonnen. Allein im vergangenen Jahr ging es um rund 17 Prozent nach oben.

Noch weitaus stärker – nämlich um mehr als 60 Prozent – haben 2006 polnische Mid Caps zugelegt, repräsentiert durch den MIDWIG. Der Kursindex wird von der Börse Warschau berechnet und bildet die zweite Reihe Polens ab. Die 40 größtenteils mittelständisch geprägten Firmen in dem Index profitieren davon, dass mit dem steigenden Wirtschaftswachstum auch der Konsum der Bevölkerung kräftig zugenommen hat. Insofern sollten die polnischen Mid Caps eine Schwächephase des Marktes besser verkraften als die Blue Chips, da ihre Geschäfte noch nicht vom globalen Wettbewerb dominiert werden. Das nicht währungsgesicherte Zertifikat auf den MIDWIG aus dem Hause ABN Amro (ISIN NL 000 076 441 3) ist daher ein nicht minder interessantes Anlagevehikel, um am wirtschaftlichen Aufschwung des Landes zu partizipieren. Schwergewichte in dem Auswahlbarometer sind derzeit die Finanzkonzerne Getin Holding (6,91 Prozent) und ING Bank Slaski (6,88 Prozent) sowie der Baukonzern Zaklady Lentex (4,51 Prozent). Sowohl auf Sicht von zwölf Monaten als auch auf Basis von fünf Jahren hat der MIDWIG mit währungsbereinigten 55 bzw. 258 Prozent den polnischen Blue Chip-Index mit 17 bzw. 141 Prozent deutlich in den Schatten gestellt.

Fazit: Das MIDWIG-Zertifikat basiert auf der Kursentwicklung von 40 Aktien des polnischen Mittelstands, der in besonderer Weise vom Aufschwung des Landes profitiert. Anleger müssen jedoch beachten, dass Polen weiterhin ein klassischer „Emerging Market“ ist. Investments sind daher nur mit einem entsprechend langfristigen Anlagehintergrund zu tätigen. Zusätzliche Risiken bestehen speziell vor dem Hintergrund der schwer kalkulierbaren Strategie der Politbrüder Kaczynski.

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