Abriss des Kopenhagener Jugendhauses begonnen

13. März 2007, 20:31
47 Postings

Stimmung droht wieder zu eskalieren - Weitere Krawalle befürchtet

Kopenhagen - "Die reißen ein Haus ab, das mir sehr ans Herz gewachsen war", sagt Maria. Mit rot geweinten Augen steht die Dänin am Montagmorgen vor dem Jugendzentrum am "Jagtvej 69" in Kopenhagen und beobachtet wie ein Baukran große Löcher in die Fassade schlägt. Zusammen mit anderen linksgerichteten Jugendlichen steht sie weit abseits der Baustelle. Diese wird von der Polizei mit massiven Absperrungen beschützt.

Dass es so schnell gehen würde - damit hatten die Jugendlichen im alternativen Kopenhagener Kiez-Stadtteil Nörrebro nicht gerechnet. Die Bilder der weinenden Teenager gingen, vom Fernsehen live ausgestrahlt, durchs ganze Land. Die Eigentümer der Sekte "Faderhuset" (Vaterhaus) gaben am Montag überraschend bekannt, dass das Gebäude bis Dienstagabend dem Erdboden gleich gemacht werden soll. Eine Baugewerkschaft hatte versucht die Arbeiter zum Streiken zu bringen. Erfolglos. Ihre Bausicherheitsexperten warnten vor einer Asbeststaubwolke die sich durch den Abriss im gesamten Viertel verbreiten könnte und beunruhigten damit die Anwohner. Das Umweltamt hielt jedoch daran fest, dass das Asbest vor den Abrissarbeiten restlos entfernt wurde.

Weitere Krawalle befürchtet

Während der Arbeiten am Montag begann die Polizei sich auf weitere Krawalle einzurichten. Demo-Schutzkleidung sollte zunächst nicht nötig sein, wurde dann aber um die Mittagszeit an die Beamten ausgeteilt. Denn die Stimmung vor den Absperrungen wurde immer aggressiver.

Seit der Zwangsräumung des Hauses am Donnerstag erlebte Kopenhagen tagelang die schwersten Ausschreitungen seit langem. Bei ihrem Höhepunkt in den Nächten zum Freitag und zum Samstag gerieten 2000 linksautonome Demonstranten in heftige Kämpfe mit der Polizei. (André Anwar/DER STANDARD-Printausgabe, 06.03.2007)

Share if you care.