Intercell sieht "Trendwende" bei Verlusten

20. März 2007, 10:48
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Jahresfehlbetrag sank im Vorjahr auf 16,1 Millionen Euro nach 25,1 Millionen 2005 - Starker Umsatzzuwachs

Wien - Die börsenotierte Wiener Biotechnologiefirma Intercell will im laufenden Jahr 2007 ihre Verluste weiter deutlich reduzieren. Der Umsatz soll steigen, zugleich sollen die Ausgaben für Forschung und Entwicklung von zuletzt 31 Mio. Euro ebenfalls leicht ansteigen. Gewinne seien weder für 2007 noch 2008 ausgeschlossen, in dieser Phase aber nicht vorrangiges Ziel des Unternehmens, sagte Finanzvorstand Werner Lanthaler heute, Montag, bei einer Pressekonferenz in Wien.

Das erste Intercell-Produkt, ein neuartiger Impfstoff gegen Japan-Enzephalitis (JEV), wird voraussichtlich Anfang 2008 auf den Markt kommen. Der ursprünglich bereits für heuer angedachte Marktstart werde sich voraussichtlich verschieben. Grund sei, dass die US-Arzneimittelbehörde FDA die schottischen JEV-Produktionsanlagen erst im August oder September begutachten werde und nicht schon vor dem Sommer. Ein grünes Licht durch die FDA ist Voraussetzung für die breite Marktzulassung.

Marktpotenzial

Das Marktpotenzial für das neue Produkt sei enorm, allein im Bereich der US-Armee seien zwischen 20 und 30 Mio. Euro jährlich zu erwarten, das gesamte Marktpotenzial (ohne Japan) wird auf 250 bis 350 Mio. Euro geschätzt. Gelinge eine Zusammenarbeit mit japanischen Partnern, könnten dazu noch weitere 50 bis 100 Mio. Euro kommen. Die Rendite für ein derart innovatives und nachgefragtes Mittel liege bei 70 Prozent. Die Entwicklungskosten seien mit in Summe 80 Mio. Euro "extrem gering" gewesen.

In der Pipeline sind weiters Impfstoffe gegen Hepatitis C, gegen Influenza, sowie gegen Pseudomonas, Tuberkulose, Pneumokokken, Streptokokken oder S. aureus. Die Produktpipeline habe sich ständig erweitert, dank der Risikostreuung könne man auch zwei bis drei Rückschläge hinnehmen, hieß es.

Ausgewogene Strategie

Das Erreichen der Gewinnzone ist nicht das primäre Ziel von Intercell, wichtiger sei die ausgewogene Strategie zwischen Fortschritt und Innovation, sagte Lanthaler: "Wenn wir wollten, könnten wir ab morgen Gewinne schreiben". Das wäre möglich durch den Verkauf von Geschäftsbereichen. "Aber das werden wir nicht tun, das wäre der falsche Weg", so Lanthaler. Der Schwerpunkt von Intercell liege auf Innovation. Vorbild sei der US-Pionier Genentech, sagte Intercell-Mitbegründer Alexander Gabain.

Dank einer beinahe Verdreifachung des Umsatzes - von 8,5 auf 23,5 Mio. Euro im Jahr 2006 - konnte Intercell im Jahr 2006 laut vorläufigen Zahlen den Periodenfehlbetrag von 25,1 auf 16,1 Mio. Euro reduzieren. Dieser Rückgang um knapp 36 Prozent bedeute eine "Trendwende" gegenüber den Jahren davor. Die F&E-Kosten stiegen im Vorjahr von 28,5 auf 31,0 Mio. Euro an.

Intercell hat seine liquiden Mittel deutlich erhöht: Per Ende 2006 verfügte Intercell über 94,4 Mio. Euro an Eigenkapital gegenüber 50,2 Mio. Euro ein Jahr davor. Davon entfielen 28,9 Mio. Euro auf Barguthaben und 65,5 Mio. Euro auf kurzfristige Wertpapiere.

Im vierten Quartal 2006 wurde erstmals ein positives Ergebnis erwirtschaftet: Dank hoher Erlöse aus Kooperationen und Lizenzvereinbarungen gab es einen Periodengewinn von 5,6 Mio. Euro nach einem Verlust von 7,2 Mio. Euro im Vergleichsquartal 2005.

Der starke Umsatzanstieg (+176,5 Prozent) gehe vor allem auf höhere Umsatzerlöse aus neuen Kooperationen und Lizenzvereinbarungen mit großen Pharmaunternehmen zurück. Die Erlöse aus diesem Titel hätten sich 2006 von 6,3 auf 21,5 Mio. Euro mehr als verdreifacht.

Schwankende Umsatzerlöse

Die Abschlüsse solcher Partnerschaften seien die Ursache für schwankende Umsatzerlöse, hieß es. Erst kürzlich war es zu einer "Meilensteinzahlung" über 10 Mio. Euro gekommen. Auch in Zukunft setzt Intercell auf Kooperationen und Partnerschaften mit führenden Pharma- und Biotechunternehmen weltweit. Bereits bisher gibt es Zusammenarbeiten mit Unternehmen wie Novartis, Merck & Co, Sanofi oder Kirin. Solche Allianzen seien als "Ritterschlag" für die Produktkandidat zu werten. "Wir partnern nur mit den größten und besten der Welt", sagte Intercell-Chef Gerd Zettlmeissl. (APA)

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