Taiwan-Konflikt

14. März 2007, 16:16
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Washington nahm 1979 diplomatische Beziehungen zu Peking auf und gab zugleich Schutzgarantie für die Insel

Taipeh/Peking - Die Insel Taiwan vor der chinesischen Südküste - von 1590 bis 1661 von Portugiesen, Spaniern und Niederländern besetzt - musste 1895 von China nach einer militärischen Niederlage an Japan abgetreten werden. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam sie 1945 als "Provinz Taiwan" wieder zu China. Im Folgenden ein Überblick:

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  • 1949 - Nach ihrer Niederlage im Bürgerkrieg gegen die Kommunisten flüchtet die autoritäre chinesische Nationalregierung unter Generalissimus Tschiang Kai-schek (Jiang Jieshi) mit 1,5 Millionen Anhängern auf die Insel, auf der sie 1947 Aufstände überaus blutig niederschlagen ließ (30.000 Tote).

  • Am 1. Oktober 1949 ruft KP-Vorsitzender Mao Tse-tung (Mao Zedong) in Peking die Volksrepublik China aus, die von der Sowjetunion und den anderen kommunistischen Staaten anerkannt wird. Die USA erkennen weiterhin die Republik China an, deren Hoheitsgebiet sich auf Taiwan und weitere kleine Inseln beschränkt.

  • 1950 - Peking beansprucht ohne Erfolg den von der Kuomintang-Regierung Tschiang Kai-scheks gehaltenen Sitz Chinas in der UNO und den Ständigen Sitz im Sicherheitsrat.

  • 1954 - Nachdem Peking seinen Streitkräften den Befehl erteilt hat, Taiwan zu "befreien", schließen die USA mit Tschiang Kai-schek ein Schutzabkommen, ein Jahr später ein Verteidigungsabkommen.

  • 1958 - Quemoy-Krise: Die kleine Insel Quemoy wird von Truppen der Volksrepublik beschossen, die VII. US-Flotte alarmiert.

  • 1971 - Die UNO-Generalversammlung spricht mit der Resolution 2758 Peking den chinesischen UNO-Sitz zu. Die Regierung der Volksrepublik wird damit als alleinige rechtmäßige Regierung ganz Chinas anerkannt.

  • 1975 - Tschiang Kai-schek stirbt.

  • 1979 - Die USA nehmen unter Präsident Jimmy Carter diplomatische Beziehungen zur Volksrepublik auf und brechen die Beziehungen zu Taiwan ab. Washington verpflichtet sich jedoch weiter zu Waffenlieferungen an Taipeh und garantiert die Sicherheit der Insel ("Taiwan Relations Act").

  • 1988 - Das Verhältnis zwischen Insel und Festland beginnt sich zu entspannen - der Handel wird legalisiert, der Reiseverkehr erleichtert.

  • 1989 - Beginn der Demokratisierung Taiwans. Einführung des Mehrparteiensystems.

  • 1995 - Peking schlägt Gespräche mit Taiwan über Beendigung der Feindseligkeiten vor. Taiwans Präsident Lee Teng-hui antwortet positiv.

  • Juli/August 1995 - Erste chinesische Raketentests vor Taiwans Küste.

  • 1996 - Große Manöver der kommunistischen Volksbefreiungsarmee in der Straße von Taiwan. Peking droht mit Waffengewalt, sollte sich die Insel für unabhängig erklären. Die USA entsenden Flugzeugträger.

  • Juli 1999 - Lee Teng-hui sagt sich faktisch von der "Ein-China"-Politik los und erklärt, die Beziehungen hätten zwischenstaatlichen Charakter. Eine Unabhängigkeitserklärung Taiwans nennt er überflüssig. Peking protestiert heftig und gibt bekannt, dass es über die zum Bau von Neutronenbomben notwendige Technik verfügt.

  • 2000 - Der Oppositionelle Chen Shui-bian wird Präsident Taiwans.

  • 2001 - Chens Demokratische Fortschrittspartei, die für die Eigenständigkeit Taiwans eintritt, wird stärkste Fraktion im Parlament.

  • 2002 - Chen schlägt ein Referendum über die Zukunft der Insel vor.

  • 2003 - Das Parlament Taiwans ermöglicht die Abhaltung eines Referendums über eine Verfassungsänderung. Peking droht mit harter Reaktion.

  • 2005 - Der chinesische Volkskongress in Peking verabschiedet das Antisezessionsgesetz, das den Einsatz militärischer Mittel vorsieht, um die staatsrechtliche Loslösung der Insel zu unterbinden. - Der Kuomintang-Vorsitzende und Oppositionschef Lien Chan reist in die Volksrepublik.

  • 2006 - Chen Shui-bian löst "Wiedervereinigungsrat" auf, Peking spricht von "Provokation".

  • 2007 - In Abkehr von seiner bisherigen Politik bekennt sich Chen zur Eigenstaatlichkeit der Insel. (APA)
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