Sitzung zur Rolle der Bawag beim Atomic-Konkurs

5. März 2007, 17:59
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Elsner soll mehrmals erfolglos beim ehemaligen Innenminister Schlögl interveniert haben, um Ermittlungen zu stoppen

Wien - Der Banken-Untersuchungsausschuss des Parlaments beschäftigt sich am Montag zum ersten Mal schwerpunktmäßig mit dem Konkurs der Skifabrik Atomic und der Rolle der Bawag bzw. der damaligen Bawag-Führungsriege, den beiden Generaldirektoren Walter Flöttl und Helmut Elsner. Vor allem die FPÖ, aber auch die Grünen und die Volkspartei haben sich in den letzten Ausschusssitzungen bereits für dieses Thema eingesetzt und die geladenen Auskunftspersonen auch zur Atomic-Pleite und der Rolle der Bawag dabei befragt.

Konkursquote lag bei 90 Prozent

Der im Herbst 1994 auf Drängen der Hausbank Bawag über den Skihersteller Atomic eröffnete Konkurs war nach Angaben der Eigentümerfamilie Rohrmoser ungerechtfertigt, die später ermittelte Konkursquote lag bei über 90 Prozent. Atomic-Gründer Alois Rohrmoser hatte eine Sachverhaltsdarstellung bei der Kriminalabteilung Salzburg eingebracht, die Ermittlungen wurden später eingestellt.

Überweisungen im Umfeld des Konkurses an eine irische Gesellschaft sollen nun untersucht werden. Über dieselbe Adresse sollen 1994 von Wolfgang Flöttl jun. jene Karibikgeschäfte abgewickelt worden sein, die letztlich zur Bawag-Affäre führten.

Bawag: "Keine Verbindung"

Die Bawag bestreitet eine derartige Querverbindung damals wie heute. Zwischen dem Atomic-Konkurs und den Karibik-Geschäften gebe es keinen Zusammenhang, betont die Bank am Montag in einer Presseaussendung.

Einerseits ergebe sich dies aus der Tatsache, dass die Karibik-Geschäfte erst im Jahr 1995 wieder aufgenommen wurden und Verluste daraus teilweise erst 1998 aufgetreten seien. Andererseits hätten weder Bawag-interne noch behördliche Untersuchungen einen Hinweis auf inhaltliche Zusammenhänge ergeben.

"Die als Indiz für einen solchen Zusammenhang angesehenen Überweisungen an zwei Firmen in Dublin, Irland, stellen sich bei genauerer Betrachtung als eine übliche Geschäftstransaktion dar", schreibt die Bank weiter. Im letzten Jahr vor Konkurseröffnung haben Tochtergesellschaften der Österreichischen Verkehrskreditbank (ÖVKB), konkret die Firmen Eurorail und Railtrans, Forderungen der Unternehmen Atomic for Sport (AfS) und Koflach angekauft. "Derartige Factoring-Geschäfte dienen grundsätzlich der Vorfinanzierung von Unternehmen und sind ein gebräuchliches Instrument der Unternehmensfinanzierung." Nach der Sanierung durch Amer habe Koflach die Forderungen aus diesen Factoring-Geschäften ordnungsgemäß durch Überweisungen an Eurorail und Railtrans zurückgekauft. "Diese Geschäfte waren in sich geschlossen und haben keinen Bezug zu den Karibik-Geschäften der alten Bawag", heißt es in der Mitteilung weiter.

"Plakativ, aber unrichtig"

Weiters werde wiederholt behauptet, Atomic wäre zu billig an Amer verkauft worden, da der Verkauf an Amer um rund 900 Mio. Schilling für die 100-prozentige Beteiligung erfolgt wäre und die Bawag kurz danach 10 Prozent für 350 Mio. Schilling erworben hätte. Dabei werde aber übersehen, dass Amer neben dem Kaufpreis noch erhebliche weitere Beträge für die Sanierung von Atomic aufgewendet habe. Die Bawag habe der damals neu gegründeten Atomic Austria GmbH tatsächlich 350 Mio. Schilling zur Verfügung gestellt. Jedoch dienten davon lediglich 100 Mio. Schilling einer Kapitalerhöhung und dem Erwerb einer Beteiligung. Weitere 250 Mio. Schilling wurden als Darlehen vergeben. Diese beiden Beträge zu addieren und darauf aufbauend den damaligen Unternehmenswert von Atomic hochzurechnen sei daher wirtschaftlich unzulässig.

Auch die oft zitierte Konkursquote von 93 Prozent sei unschlüssig, da hier "plakativ, aber unrichtig" die Quoten von zwei Konkursverfahren, Atomic for Sport und Privatkonkurs Rohrmoser, zusammengezählt würden. Die Quote von 73 Prozent aus dem Konkurs von Atomic resultiere aus dem guten Verkauf der Skifabrik an den finnischen Konzern Amer. Bei Rohrmosers Zwangsausgleich sei die Quote bei 20 Prozent gelegen.

Alle Vorwürfe und Behauptungen seien sowohl vom Konkursgericht als auch in straf- und zivilgerichtlichen Prozessen durch alle Instanzen geprüft, beurteilt und letztlich verworfen worden. Das Unternehmen Atomic for Sports war 1994 nach mehreren verlustreichen Jahren zahlungsunfähig sowie rechnerisch und insolvenzrechtlich erheblich überschuldet, betont die Bawag. Durch die ordnungsgemäße Abwicklung des Konkursverfahrens und den erfolgreichen Verkauf an den finnischen Weltkonzern Amer sei das Unternehmen nachhaltig saniert worden und hunderte Arbeitsplätze in Österreich gesichert.

Auch Schlögl soll Auskunft geben

Neben dem ehemaligen Atomic-Finanzchef Walter Ilgner ist auch der damalige Innenminister Karl Schlögl geladen. Bei ihm soll Elsner im Gefolge der Atomic-Pleite interveniert haben, um Ermittlungen der Polizei zum Insolvenzverfahren zu stoppen. Elsner soll sich mehrfach an Schlögl gewandt haben, dieser habe ihn aber "vor Zeugen rausgeschmissen", wie Schlögl erklärte. (APA/red)

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