Nationalbibliothek: Bildarchiv nach Wiedereröffnung

4. März 2007, 19:52
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Präsentation nach Generalsanierung

Wien - Nach zweijähriger Umbauzeit ist das generalsanierte Bildarchiv der Österreichischen Nationalbibliothek (ÖNB) seit Mitte Februar wieder für den regulären Betrieb geöffnet. Vergangene Woche führten ÖNB-Generaldirektorin Johanna Rachinger und Bildarchiv-Direktor Hans Petschar Medienvertreter durch die prächtigen Räume, in denen sich altes und neues Mobiliar, historische Bestände und moderne Elektronik bestens ergänzen: "Wir haben hier einen Sprung vom 19. ins 21. Jahrhundert gemacht", freute sich Rachinger.

Während im Völkerkundemuseum am Heldenplatz noch reger Baustellenbetrieb herrscht, wird im zweiten Obergeschoß direkt darüber bereits wieder wissenschaftlich gearbeitet. Denn in den neu adaptierten Räumen der Neuen Burg, von denen man zum Teil einen herrlichen Blick auf den Heldenplatz und die Museen hat, ist man emsig an der zeitgemäßen Aufarbeitung der umfangreichen Bestände. Das Bildarchiv, eine von zehn Sondersammlungen der ÖNB, sei "eine Vorzeigesammlung, was die Digitalisierung und Online-Stellung betrifft", betonte die Generaldirektorin. Die abgerufenen Bildbestände (Petschar: "Wir haben sehr viele Verlage, aber auch Private als Kunden") können analog, aber auch digital zur Verfügung gestellt werden. "Wir liegen dabei rund 30 Prozent unter dem Preis einer reinen Bildagentur", schilderte der Direktor. Etwa 10.000 derartige Bestellungen gibt es pro Jahr.

Künftig gibt es zwei Lesesäle, eine Freihand-Bibliothek, zahlreiche Bibliotheks- und Arbeitsräume, zahlreiche Bildschirmarbeitsplätze und einen modern gestalteten Servicedesk-Bereich. Alte Regale und moderne Büromöbel bieten ein reizvolles Miteinander, wo immer es ging, sorgen Glaswände für angenehm helle Atmosphäre. "Wir wollen nicht nur komfortable, sondern auch ästhetisch angenehme Benützungsbedingungen bieten", sagte Rachinger, "Räume, die den Anforderungen eines modernen Dienstleistungszentrums entsprechen." In den sanierten Sammlungsteilen habe man bereits mitunter Benutzer abweisen müssen, obwohl man vieles Services wie etwa die Kataloge mittlerweile auch im Internet anbiete.

Für die Sanierung der 3.500 Quadratmeter umfassenden Räume wurde aus den Mitteln der Burghauptmannschaft 3 Mio. Euro aufgewendet, die Einrichtung in der Höhe von 1,2 Mio. Euro finanzierte das Bildungsministerium. Rachinger: "Wir sind im Kostenrahmen geblieben." Zuletzt waren 2004, vor der sanierungsbedingten Schließung, rund 3.700 jährliche Benutzer des Bildarchivs gezählt worden.

Das Bildarchiv umfasst heute 1,6 Millionen Objekte und ist, so Rachinger, "die größte Bilddokumentationsstelle Österreichs", 200.000 Bilder können online bestellt werden. Die Bestände gehen u.a. auf die "Familien-Fideikommissbibliothek" von Kaiser Franz Joseph I. zurück, die 1908 erstmals in diesen Räumlichkeiten aufgestellt wurde und 116.000 Bände umfasste, sowie auf die Porträtsammlung mit rund 200.000 Bildnissen. Prunkvolle Huldigungsadressen an das Kaiserhaus findet man hier ebenso wie umfangreiche Porträtsammlungen zu den wichtigen Persönlichkeiten der Monarchie, einst geordnet nach mitunter skurril anmutenden Kategorien wie "Philosophen", "Pastoren", "Prediger", "Physiker" und "Propheten".

Bei den aktuellen Arbeiten widmet man sich u.a. der Digitalisierung des als Dauerleihgabe übernommenen Nachlasses des Sportfotografen Lothar Rübelt. Vor allem seine Fußballfotos sollen schon bald abrufbar sein, spätestens im kommenden Jahr- rechtzeitig zur EURO 2008. (APA)

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