Deutsche Umweltpolitiker fordern Heim- statt Fernurlaub

12. März 2007, 10:22
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Diskussion um Verringerung des CO2-Ausstoßes gewinnt an Intensität - Bundespräsident Köhler greift die Autoindustrie frontal an

Berlin/Stuttgart - Im Vorfeld des EU-Gipfels am Donnerstag und Freitag in Berlin, der sich auch mit Energie und Umwelt beschäftigen wird, nimmt die Diskussion über geeignete Maßnahmen zum Klimaschutz an Intensität zu. "Auf Flugreisen zu verzichten ist ein guter Beitrag zum Klimaschutz", sagte der Vizevorsitzende der SPD-Fraktion im deutschen Bundestag, Ulrich Kleber, der Bild am Sonntag.

Ähnliche Äußerungen gab es am Wochenende auch von Vertretern anderer Parteien. Der Direktor der weltgrößten Reisemesse, ITB, die von Mittwoch bis Sonntag in Berlin stattfindet, erwartet angesichts der Klimadebatte einen großen Schub für das Reiseland Deutschland. "Heute ist Rauchen nicht mehr schick, und in wenigen Jahren wird es in weiten Kreisen der Bevölkerung nicht mehr schick sein, während seines Urlaubs die Umwelt mit zu viel CO2 zu verpesten", sagte Buck der Berliner Morgenpost.

Vorwürfe von Köhler

Scharfe Vorwürfe richtete Bundespräsident Horst Köhler an die deutsche Autoindustrie. Diese habe "mit Blick auf die ökologische Entwicklung kein Ruhmesblatt" verdient. Die deutschen Autokonzerne VW und Porsche haben dies umgehend zurückgewiesen. Sie kündigten benzinsparendere Autos an. "Politiker kritisieren gern andere. Für uns verbietet es sich aber meist, mit gleicher Schärfe zurückzuschießen", sagte VW-Chef Martin Winterkorn dem Spiegel. "Denn Politiker zählen zu unseren besten Kunden. Und sie fahren in der Regel nicht die verbrauchsgünstigsten Modelle."

Porsche-Chef Wendelin Wiedeking sagte der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung: "Wir sind keine Schmutzfinken. Wer uns als Klimakiller bezeichnet, verfolgt anders motivierte Ziele. Der sucht das prominente Feindbild." (Reuters, dpa, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 5.3.2007)

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