Schlachthof, GaGa und EKH

13. März 2007, 20:31
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Geschichte der Wiener Hausbesetzer - EKH-Zukunft ist ungewisse, Szene nun wieder aktiv

Wien - Fast jede Großstadt in Europa hat ihre eigene "Hausbesetzergeschichte". Häufig ist damit die Absage an kapitalistische Verwertungsinteressen verbunden, die Duldung durch öffentliche Stellen ist aber meist begrenzt.

Die erste Besetzung in Wien betraf 1976 den Schlachthof St. Marx in Wien-Erdberg. Drei Monate hielten Künstler das zum Abriss freigegebene Gelände besetzt. Während der friedlichen Aktion traten unter anderem Leonard Cohen, Wolfgang Ambros, Georg Danzer und Peter Turrini auf. Die Bagger konnten letztendlich nicht aufgehalten werden, doch immerhin gelang es, einen Teil des benachbarten Inland-Schlachthofes zu retten - das heutige Veranstaltungszentrum Arena. Auch das selbstverwaltete Amerling-Haus am Spittelberg verdankt seine Existenz gewaltloser Hausbesetzungen.

Zu einem regelrechten "Häuserkampf" kam es 1983 in der Gassergasse im fünften Wiener Gemeindebezirk. Als die Gemeinde die vorübergehend vergebene Immobilie zurückforderte, kam es zu schweren Zusammenstößen zwischen "GaGa"-Nutzern und der Polizei. Vier Jahre später gab es die nächste kompromisslose Räumung, diesmal in der Aegidigasse beim Wiener Westbahnhof. "Aegidis" besetzten 1990 ein KPÖ-Gebäude in Wien-Favoriten, das heute als Ernst-Kirchweger-Haus (EKH) bekannt ist. Da die Zukunft des EKH ungewiss ist, meldeten sich Hausbesetzer in den vergangenen Wochen mit kurzen Aktionen zurück. Bis jetzt immer friedlich. (Michael Simoner; DER STANDARD, Print-Ausgabe, 5.3.2007)

  • 1987 kam es bei der Räumung eines besetzten Hauses in der Aegidigasse zu schweren Zusammenstößen. Danach wurde das Gebäude beim Westbahnhof abgerissen.
    foto: der standard/robert newald

    1987 kam es bei der Räumung eines besetzten Hauses in der Aegidigasse zu schweren Zusammenstößen. Danach wurde das Gebäude beim Westbahnhof abgerissen.

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