Ein Absturz im Zielbereich

4. März 2007, 19:10
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Mit der geringsten Medaillenausbeute seit zehn Jahren kehrt Österreichs WM-Team aus Sapporo zurück. Nur die Springer konnten die gegebenen Versprechen halbwegs einlösen

Sigi Lützow aus Sapporo

Ein bis zwei Medaillen in jeder der drei Sparten hatte sich Sportdirektor Anton Innauer vor der WM gewünscht, Samstagabend und 24 Stunden bevor die 46. nordischen Weltmeisterschaften im Langlaufstadion von Shirahatayama ohne viel Aufhebens für beendet erklärt wurden, war er dann mit zwei Medaillen "eigentlich zufrieden. Wir sind im Zielbereich, zwei bis vier Medaillen wollten wir".

Die Kombinierer haben erstmals seit 1995, seit der WM in Thunder Bay, völlig ausgelassen. Und als der Großteil der Österreicher schon auf dem Heimweg war, durften die Langläufer des ÖSV am Sonntagnachmittag im klassischen Massenstartrennen über 50 Kilometer nochmals ihre Unzulänglichkeit demonstrieren. Michael Tauber belegte als Bester des ÖSV Platz 30, nahezu zehn Minuten hinter Sieger Odd-Björn Hjelmeset, der gemeinsam mit seinem Vize Frode Estil Norwegen Platz eins im Medaillenspiegel sicherte. Vor Finnland.

Michail Botwinow beendete sein letztes WM-Rennen nicht. Aufgegeben hat auch Johannes Eder (zum zweiten Mal nach der Doppelverfolgung), aufgegeben wie Katerina Smutna über 30 Kilometer am Samstag - auch eine Zustandsbeschreibung.

In noch gutem Zustand befanden sich Österreichs Springer am Samstag zu Beginn der Feier für Doppelolympiasieger Thomas Morgenstern, der dem mit der Mannschaft errungenen Gold noch Bronze von der Normalschanze, seine erste WM-Einzelmedaille überhaupt, hinzufügen konnte. "Irgendwo denkst immer dran, aber nur im Traum wahrscheinlich", sagte der 20-Jährige, der durchaus real zu den Favoriten gezählt hatte.

Ein alter Mann

Unter die Kategorie Top fiel der Pole Adam Malysz, um dann überlegen vor Großschanzenweltmeister Simon Ammann aus der Schweiz und eben Morgenstern seinen insgesamt vierten Titel zu gewinnen. Im Glanz der Goldenen sonnte sich auch der ehemalige Cheftrainer der Österreicher, Hannu Lepistö, der die Polen und also Malysz seit dieser Saison betreut. "Er ist ein alter Mann", schmeichelte Malysz (29) dem 60-jährigen Finnen in der ihm eigenen Sprödheit, "aber er hat viele gute Leute trainiert."

Zum Beispiel Matti Nykänen, merkte Innauer an. Im Schatten der Paarung Star/ Lepistö seien aber die Mannschaften regelmäßig verkümmert, das habe man auch in Österreich erfahren. Im aktuellen Springerteam ist von Verkümmerung keine Rede, wohl aber vom Fehlen eines zweiten, ausgesprochenen Siegertyps neben Morgenstern, nachdem Gregor Schlierenzauer jetzt viel Energie in die Neubeherrschung seines sich weiter ausbildenden Teenagerkörpers stecken muss.

Die Nominierung des Tirolers für die Normalschanze verteidigte Cheftrainer Alexander Pointner als Vorleistung für die restliche Weltcupsaison, die am kommenden Wochenende in Lahti weitergeht. "Wenn er wieder zu siegen beginnt oder aufs Podest kommt, habe ich Recht gehabt."

Laut Innauer sei die Wahl zwischen Wolfgang Loitzl, der als Solist enttäuschte, und seinem Sohn Mario gefallen. Dessen Nichtnominierung sei keine glasklare Entscheidung gewesen. Dass Mario Innauer als einziger Athlet neben Kombinierer Bernhard Gruber zu keinem einzigen WM-Einsatz gekommen ist "hat ihn hart getroffen. Es brennt ihm ja doch brutal unter den Fingern zu zeigen, wie stark er ist". Zumindest sei so nicht der Eindruck der familiären Protektion entstanden, "aber das ist sicher das letzte Mal, dass ihn sein Familienname behindert hat", versicherte Innauer.

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