Beinahe eine Erleichterung

4. März 2007, 18:49
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Felix Gottwald, Österreichs bester Kombinierer aller Zeiten, tritt ab - eine Lücke wird bleiben. Innauer über das neue Trainerteam: "In einigen Situationen zu grün"

Sapporo - Die Jubelgeste passte nicht ganz zur Platzierung. Felix Gottwald hat am Samstag sein allerletztes WM-Rennen auf Platz fünf beendet, nahezu eine Minute hinter dem deutschen Sieger Ronny Ackermann. Der Salzburger tritt ohne Solotitel bei Weltmeisterschaften ab, insgesamt 14 Medaillen, darunter die beiden olympischen Goldenen aus Turin, genügen dem 31-Jährigen vollauf, der Jubel nach dem Normalbewerb von Sapporo drückte eher Erleichterung aus. Jetzt noch ein paar Weltcuprennen, am 18. März am Osloer Holmenkollen ist es dann vorbei.

In den kommenden Monaten will sich Gottwald als Botschafter für Salzburgs olympische Kandidatur einsetzen, um sich dann "Zeit zum Durchschnaufen" zu nehmen. In Ramsau steht der Hausbau an. "Und irgendwann kommt der Punkt, wo ich mir eine neue Herausforderung suchen werde. Ich will auch in einem anderen Bereich etwas bewegen." Die Richtung ist unbestimmt, Gottwalds Auftreten und Eloquenz legt allerdings Engagements als Vortragender bei Managementseminaren schon relativ nahe.

Zu erwartende Lücke

Österreichs nordische Kombination kann den Spitzenmann auf längere Sicht nicht ersetzen. Die letzte Medaille, die nicht durch Gottwald selbst oder unter seiner Führung errungen wurde, gelang Mario Stecher 1999 in Ramsau. Gottwald zeigte sich für die Zukunft pflichtschuldig optimistisch, der zuständige Sportdirektor Anton Innauer weiß, "dass es sehr schwer wird". Das an seiner ersten WM gescheiterte Trainerteam mit Alexander Diess und Christoph Eugen soll bleiben. "Sie waren in einigen Situationen noch zu grün. Ihre Verträge nicht zu verlängern, weil sie keine Medaille gemacht haben, hieße Erfahrungswerte wegwerfen", sagte Innauer.

Dass es bei der WM besonders im Springen nicht geklappt hat, kann dem ehemaligen Spezialtrainer Diess allerdings keiner abnehmen. Die nächste Kombinierergeneration ist laut Innauer eher lauflastig, also vom Athletentypus eher einem Gottwald denn einem Christoph Bieler ähnlich, der nur aufs Podest findet, wenn er auf der Schanze vorlegt. Ob quasi ein neuer Gottwald darunter ist, weiß auch Innauer noch nicht. Seinem Medaillenbringer dankte der Sportdirektor nicht nur für erfolgreiche Jahre, sondern eigentlich auch dafür, dass er in Sapporo nicht noch einmal zuschlagen konnte. Der Abstieg wird dadurch nicht so augenfällig sein. (lü - DER STANDARD PRINTAUSGABE 5.3. 2007)

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