FPÖ Burgenland entscheidet über Zukunft

6. März 2007, 12:00
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Sonderparteitag am Dienstag in Eisenstadt - "G'rader Michl, krummer Hund" stellen sich Obmannwahl

Eisenstadt - Es ist der Fluch des Sprachgebrauchs, der über die Jahre hinweg zu einer Gewohnheit und mittlerweile zu einer Marotte geworden ist. Die Blauen können offenbar nicht anders, auch wenn sie miteinander reden oder sich etwas ausrichten.

"Putschisten", "Taliban", "Jagdgesellschaft", sagt also Johann Tschürtz, Obmann der burgenländischen Freiheitlichen, zu jenen Parteimitgliedern, die sich rund um seinen Vorvorgänger Wolfgang Rauter geschart haben, weil sie Tschürtz mangelnde Führungsqualität vorwerfen.

Am Dienstagabend werden Rauter und Tschürtz sich im Rahmen eines Sonderparteitags in Eisenstadt der Obmannwahl stellen. Danach aber müsse, forderte Heinz-Christian Strache, Schluss sein mit den "Heckenschützen", die nichts anderes täten, als das Geschäft "von ÖVP und BZÖ" zu besorgen.

"Cui bono?", ruft der Bundesparteichef fast nachdenklich, um sofort wieder über Haiders "Mordversuch" an der FPÖ insgesamt zu philosophieren. Dass der Anschlag beim Versuch geblieben sei, verdanke die Partei unter anderem diesem Johann Tschürtz, der sich einen Orden verdient hätte ob seiner Gesinnungsfestigkeit.

Tschürtzens Kontrahent, der frühere Landtags-Klubobmann Manfred Kölly, den Strache wegen einer "Geheimabmachung" mit der SPÖ aus der Partei geworfen hat, sei dagegen "das Gesinnungsloseste und das Rückgratloseste, das ich je erlebt habe". Also ein ordentlich krummer Hund, weshalb also am Dienstag - und Strache, so Strache, sei da ganz zuversichtlich - dieser g'rade Michl zu küren sei.

Neben Strache sitzt Norbert Hofer, sein Stellvertreter in Partei und Parlament. Der frühere burgenländische Geschäftsführer scheint genau dazwischen, weder Michl, noch Hund. Kölly erklärt, Hofer habe das Papier - das Kölly einen hochdotierten Managerjob, aber auch Hofer ein Ausgedinge im Landhaus garantiert hätte - "formuliert und ausverhandelt".

Strache widerspricht. Hofer sei nicht mehr als eine Tippse gewesen, "hätte er sich geweigert, hätte ihm die Kündigung gedroht". Wer da nachfragt, gerät bald an die Mauer blauen Sprachgebrauchs. Medial sehe er die FPÖ mit dem Holzhammer der Schuldumkehr konfrontiert, obwohl doch eigentlich Rechtsstaat sei. "Wenn ein junges Mädchen im Minirock vergewaltigt wird, gibt ja der Richter auch nicht dem Mädchen die Schuld." Hutschenschleuderei kann in Wehleidigkeit ausarten. Beides zusammen mündet aber oft in einen, nun ja: merkwürdigen Geschmack. (Wolfgang Weisgram/DER STANDARD, Printausgabe, 5.3.2007)

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