Wiener Börse: Abgang des Riesen tut nicht weh

24. Juli 2000, 11:15

Börsenvorstand Erich Obersteiner sieht durch Übernahme Gewinn für den Finanzplatz Wien

Wien - Die Wiener Börse wird mit der Bank Austria ihre bei weitem größte Aktie verlieren. Im ATX hat die BA einen Anteil von 23,35 Prozent; an zweite Stelle folgt mit Respektabstand die OMV mit 10,44 Prozent. Auch bei den Umsätzen kommt rund ein Fünftel von der BA. Der Umtausch der Bank Austria in Aktien der HypoVereinsbank soll im Laufe des ersten Quartals 2001 erfolgen.

Dennoch sieht Börsenvorstand Erich Obersteiner in der Übernahme durch die HypoVereinsbank einen Gewinn für den Finanzplatz Wien. Schließlich werde die HVB nach vollzogene Fusion mit einem Doppellisting auch in Wien notieren. Und anders als bei anderen ausländischen Titel erwartet sich Obersteiner in diesem Fall signifikante Umsätze in Wien. "Kein anderer Titel wird so einbezogen sein in die lokale Investment Community", sagt er dem STANDARD. Dank des Market-Maker-Systems werde es gelingen, ausreichende Liquidität für die HVB in Wien zu schaffen. Auch den deutschen Regionalbörsen gelingt es laut Obersteiner, bei Blue Chips mit lokalem Bezug einen Teil des Umsatzkuchens abzuschneiden.

Stärkung des Ost-Clusters

Noch wichtiger aber sei die Stärkung von Wien als Kompetenzzentrum für Osteuropa. "Wenn die drittgrößte Bank Europas ihr ganzes Osteuropa-Geschäft von Wien aus führt, dann bestätigt das auch unsere Strategie in Richtung Osten." Er hoffe auf einen Ausbau des Ost-Clusters in Wien.

Der Abschied der Bank Austria könnte auch etwas mehr Ausgewogenheit in den ATX hineinbringen, wobei mit dem Börsegang der Telekom Austria ein neues Schwergewicht erwartet wird. Insgesamt gehe die Strategie der Wiener Börse eher in Richtung kleinere und mittlere Unternehmen, "und diese Entwicklung ist in keiner Weise gefährdet", so Obersteiner.

Schließlich verweisen Marktteilnehmer auf die nunmehr neu aufgeflammte Übernahmephantasie, von der die Wiener Börse profitieren könnte. 32 Prozent über den Börsenkurs der 30 Tage darstellt, werden "die Bank-Austria-Aktionäre mit einem Schlag um 30 Milliarden Schilling reicher", hieß es. (ef)

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