NASA-Astronautin nur wegen versuchter Entführung angeklagt

5. März 2007, 21:04
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Staatsanwaltschaft verzichtete auf schwersten Punkt

Washington/Orlando - Neues Kapitel im Liebesdrama bei der NASA: Die US-Astronautin Lisa Nowak muss sich nicht wegen versuchten Mordes an ihrer mutmaßlichen Nebenbuhlerin verantworten, sondern nur wegen versuchter Entführung. Bei der offiziellen Anklageerhebung am Freitag (Ortszeit) in Orlando (Florida) gegen Nowak verzichtete die Staatsanwaltschaft auf den ursprünglichen zusätzlichen schwersten Punkt, der für die 43-Jährige im Fall eines Schuldspruchs unweigerlich lebenslange Haft bedeutet hätte.

Drei Jahre Gefängnis?

Der in ihren Astronauten-Kollegen William Oefelein verliebten Nowak drohen dennoch Jahre hinter Gittern. Neben versuchten Kidnappings "mit dem Vorsatz des Zufügens körperlichen Schadens" werden ihr in der offiziellen Anklage auch bewaffneter tätlicher Angriff und Diebstahl sowie Körperverletzung angelastet. Die "Discovery"-Astronautin und Mutter von drei Kindern war zunächst auch unter dem Vorwurf des versuchten Mordes in Untersuchungshaft festgehalten worden. Nach Medienberichten vom Samstag entschied sich die Staatsanwaltschaft dann aber nach "Prüfung aller Fakten" gegen eine Anklage in diesem Punkt.

Die Polizei hatte Nowak am 5. Februar auf dem Flughafen von Orlando festgenommen - nach einer 1.500 Kilometer langen Autofahrt von Houston (Texas), auf der die Astronautin Windeln trug, um keine Pause einlegen zu müssen. Auf dem Flughafen-Parkplatz lauerte die Astronautin dann ihrer mutmaßlichen Rivalin, der Luftwaffen-Offizierin Colleen Shipman, auf und attackierte sie mit Pfefferspray. Shipman konnte mit ihrem Auto entkommen und Alarm schlagen. Die Polizei stellte später bei Nowak, die im Sommer vergangenen Jahres an Bord des Shuttle "Discovery" zur Internationalen Raumstation ISS geflogen war, unter anderem eine Perücke, ein Messer und eine Luftdruckpistole sicher.

Der Anwalt der Astronautin, Donald Lykkebak, hatte nach der Festnahme den Vorwurf des versuchten Mordes als absurd bezeichnet. Er bekräftigte am Freitag, dass Nowak nur mit Shipman habe reden wollen und auch nie geplant habe, sie zu entführen.

Kaution von 25.000 Dollar

Die Astronautin ist mittlerweile gegen eine Kaution von 25.000 Dollar (18.993 Euro) frei, muss aber eine elektronische Fußfessel tragen. Die NASA hatte sie nach der Festnahme für 30 Tage vom Dienst beurlaubt. Diese Zeit läuft in der kommenden Woche ab. Ob und in welcher Art sie danach wieder arbeiten wird, blieb zunächst offen. Nowak sollte bei der geplanten nächsten Mission der Raumfähre "Atlantis" in der Bodenzentrale in Houston die Kommunikation mit der Shuttle-Besatzung leiten. US-Medien zitierten einen NASA-Sprecher mit den Worten, er wisse nichts von einer Änderung ihres "Status". (APA/dpa)

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