AEG macht Ende März in Nürnberg endgültig zu

27. März 2007, 15:13
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Ein Jahr nach Streikende keine Lösung gefunden - Produktion nach Streik nie wieder richtig in Gang gekommen

Nürnberg - Ein Jahr nach dem Streikende bei AEG in Nürnberg steht die endgültige Schließung der traditionsreichen Hausgerätefabrik kurz bevor. Am 31. März ist Schluss - dann werden die letzten 600 noch verbliebenen Beschäftigten das Unternehmen verlassen und zum größten Teil in eine Beschäftigungsgesellschaft überwechseln. Die Produktion wird aber schon vorher allmählich auslaufen. "Es ist nicht davon auszugehen, dass bis zum letzten Tag produziert wird", sagt Firmensprecher Michael Eichel.

Der schwedische AEG-Mutterkonzern Electrolux schließt das Werk mit einstmals 1.700 Beschäftigten und verlagert die Produktion von Waschmaschinen und Geschirrspülern nach Italien und Polen. Wer dafür in Nürnberg seinen Arbeitsplatz verloren hat, blickt nicht eben in eine rosige Zukunft. "Insbesondere die Un- und Angelernten haben Probleme", sagt Projektmanager Gunther Wesche von der Beschäftigungsgesellschaft GPQ.

Feste Jobs

Immerhin konnten etwa 180 der rund 820 ehemaligen AEG-ler, die bisher in die GPQ gingen, wieder in feste Jobs oder längerfristige Beschäftigungsverhältnisse vermittelt werden. Etwa 20 befinden sich nach Wesches Angaben in Praktika und haben die Chance auf Übernahme, rund 10 arbeiten an einer Existenzgründung. Maximal ein Jahr kann man in der GPQ bleiben. Dann käme das normale Arbeitslosengeld für 12 oder 18 Monate, danach droht Hartz IV. Um einen nahtlosen Übergang von der GPQ zur Betreuung durch die Arbeitsagenturen hinzubekommen, sei man schon jetzt in intensiven Kontakten, sagt der GPQ-Mann.

Im Nürnberger AEG-Werk wird nur eine Handvoll Arbeiter noch über den März hinaus bleiben. Sie sollen für Instandhaltung und Sicherheit sorgen. "Ein so großes Areal kann man nicht sich selbst überlassen", sagt AEG-Sprecher Eichel. Was mit den Produktionshallen an der Fürther Straße geschehen solle, sei noch unklar. Electrolux führe Gespräche mit potenziellen Investoren.

46 Tage lang hatte der Aufsehen erregende AEG-Streik im Winter 2006 gedauert. Am 7. März nahmen die Beschäftigten die Arbeit schließlich wieder auf. Sie rissen eine Mauer nieder, die symbolisch vor dem Haupttor errichtet worden war, und betraten um 6.30 Uhr das Werksgelände. In einer Urabstimmung hatten sie zuvor mit 81 Prozent Zustimmung den zwischen der IG Metall und dem Electrolux-Konzern ausgehandelten Sozialtarifvertrag angenommen. Er umfasste Abfindungen, Qualifizierungsmaßnahmen und Vorruhestandsregelungen im Volumen von 150 Millionen Euro.

Das eigentliche Streikziel, die Schließung der Fabrik zu verhindern, wurde aber nicht erreicht. Dennoch habe der Arbeitskampf seine Wirkung nicht verfehlt, meint der damalige Streikleiter Jürgen Wechsler von der IG Metall. Er habe gezeigt, dass die Arbeitnehmer nicht wehrlos seien und etwas erreichen könnten. Der Electrolux- Konzern litt als Folge der Aktionen vorübergehend unter Umsatzeinbußen, meldete aber erst vor kurzem eine Gewinnverdoppelung für 2006.

Ursprünglich hatte Electrolux das Nürnberger Werk erst Ende 2007 schließen wollen. Nach dem Streik war die Produktion infolge eines extrem hohen Krankenstandes aber nie wieder richtig in Gang gekommen. Im Sommer 2006 wurde der Schließungstermin auf Ende März 2007 vorgezogen. Rund 700 Menschen arbeiten in Nürnberg weiterhin für Electrolux in Entwicklung, Vertrieb, Kundendienst, Marketing und Logistik. 1300 Mitarbeiter gibt es im AEG-Werk im fränkischen Rothenburg ob der Tauber, wo Herde und Kochmulden hergestellt werden. (APA/dpa)

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