Interview: "Ranger" Thomas Pöck

19. März 2007, 10:20
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Der Kärntner Verteidiger absolviert seine erste volle Saison für den New Yorker Traditionsklub

New York - Thomas Pöck hat sich seinen Traum verwirklicht und spielt in der stärksten Eishockey-Liga der Welt, der National Hockey League (NHL). Der Kärntner Verteidiger absolviert seine erste volle Saison für die New York Rangers und kämpft mit dem Traditionsklub aus dem "Big Apple" um die Playoff-Teilnahme. Im Interview spricht der 25-Jährige über die harte NHL-Schule, Trainer, Kollegen, Fans, das Ausnahmetalent Thomas Vanek und mögliche künftige NHL-Profis aus Österreich.

Die Rangers spielen mit einem guten Kader eine durchwachsene Saison, woran liegt das?
Pöck: "Wir spielen nicht schlecht, hauen uns aber oft mit nur fünf schwachen, unkonzentrierten Minuten die ganze Partie zusammen. Und deshalb müssen wir jetzt um die Playoffs bangen."

Glaubt die Mannschaft überhaupt noch daran?
Pöck "Wir glauben auf jeden Fall alle noch an die Playoffs, geben uns sicher nicht auf. Jetzt haben wir noch 15 Partien, wenn wir davon elf, zwölf gewinnen, sind wir dabei. Möglich ist es, wir brauchen aber einen Lauf. Ein Mal gewinnen und dann wieder verlieren geht nicht mehr."

Wie geht es Ihnen körperlich?
Pöck"Eigentlich sehr gut. Ich habe zwar ein paar kleine Wehwechen, die können aber bis nach der Saison warten."

Und mental? Geht es an die Substanz, ein Mal dabei zu sein, dann wieder nicht?
Pöck "Was einen nicht umbringt, macht einen nur härter. Da muss man durch. Im Vergleich zum Vorjahr ist es für mich wieder ein Schritt vorwärts. Heute habe ich immerhin meine 27. Partie gespielt, das Zuschauen gehört dazu. Am Schluss hab ich meine 40 Partien gespielt und damit hat es gepasst. Immer schön einen Schritt nach dem anderen."

Was kritisiert Trainer Tom Renney an Ihnen?
Pöck"Kritik hab ich vom Trainer noch nie bekommen. Er hat noch nie gesagt: 'Heute hast du katastrophal gespielt, deshalb sitzt du morgen. Es hat eigentlich immer gepasst. Es hat halt andere Gründe gegeben, warum andere gespielt haben. Das ist halt so, es ist seine Entscheidung, damit muss ich leben. Ob ich das jetzt für richtig halte oder nicht."

Die Rangers wollen Sie zwei weitere Jahre, wie schaut das von Ihrer Seite aus?
Pöck "Es muss also irgendwas passen (lacht). Ich bin sehr gerne da, es ist eine super Organisation. Wahrscheinlich die beste überhaupt in der Liga. New York ist eine lässige Stadt. Meine Wohnung ist aber außerhalb, in der Nähe unseres Trainingszentrums."

Wer sind Ihre besten Kumpels in der Mannschaft?
Pöck "Hauptsächlich die jungen Amerikaner und Kanadier, weniger die Europäer. Unsere Freundinnen verstehen sich gut, wir haben das gleiche Alter. Okay sind aber alle, es ist kein einziger Ungustl dabei.

Sind die Rangers im Moment ein Team mit Potenzial für die nächsten zwei, drei Jahre?
Pöck "Die Jungen sind sehr gut, wir haben eine sehr gute dritte und vierte Linie, die ersten zwei sind natürlich super besetzt. Aber man wird sehen, was zum Beispiel Jagr in einem Jahr machen will. Vielleicht kriegen wir ja den nächsten Sidney Crosby. Der Klub wird sicher auf die Jugend bauen.

Was halten Sie von unseren US-Youngsters Grabner und Nödl?
Pöck "Ich kenne sie nicht persönlich, aber wenn ich mir ihre Statistiken anschaue, haben sie eine gute NHL-Chance. Man braucht Glück, den richtigen Verein zum richtigen Zeitpunkt. Wenn man aus Europa rüber geht, hat man auf jeden Fall die richtige Einstellung. Das Talent haben sie. Tore schießen kann man nämlich nicht lernen, Thomas Vanek ist das beste Beispiel. Man muss hart arbeiten, aber das Grundtalent muss man haben."

Vielleicht schafft jetzt Oliver Setzinger den Sprung in die NHL.
Pöck "Oliver ist wahrscheinlich der talentierteste Spieler, den wir je in Österreich gehabt haben. Er kann alles, ist ein Erste-Linie- oder Zweite-Linie-Spieler. Rackern und checken ist halt nicht sein Ding, er kann hier aber sicher mithalten. Zu spät ist es sicher nicht."

Im April spielt Österreich bei der WM in Russland.
Pöck (lacht): "Ich hoffe, dass Österreich weiter kommt und wir den Stanley Cup gewinnen. Wenn wir ausscheiden und ich gesund bin, will ich der Mannschaft auf jeden Fall helfen, oben zu bleiben. Und vielleicht schaffen wir ja heuer mehr als oben bleiben. Jim Boni kenne ich zwar noch nicht, aber wenn wir ausscheiden und er mich anruft, werde ich da sein." (APA)

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