Porträt: Medaillenhamster Morgenstern

3. März 2007, 16:34
posten

Trotz suboptimaler Vorbereitung mit langwieriger Erkrankung klappte es nun auch mit der ersten Einzelmedaille

Sapporo - Thomas Morgenstern hat am Samstag nach dem Team-Gold vom großen Bakken auch auf der Normalschanze zugeschlagen. Der Doppel-Olympiasieger und dreifache Team-Weltmeister holte sich in Sapporo im Alter von 20 Jahren mit Bronze auch noch seine erste Einzelmedaille bei einer WM. Und das nach einer Gürtelrosen-Erkrankung, die ihn Wochen der Vorbereitung gekostet hat.

Das Talent des rotzfrechen Kärntners mit den markigen Sprüchen hatte schon der frühere ÖSV-Cheftrainer Hannu Lepistö erkannt und ihn mit dem großen Matti Nykänen verglichen, Toni Innauer hatte ihn schon vor Jahren als "Rohdiamanten" bezeichnet: Bei den Olympischen Spielen schaffte der Blondschopf seinen endgültigen Durchbruch. Zunächst der Olympiasieg von der Großschanze. "Der Ski hat gebissen, das war so ein geiler Flug, dann hab ich nur noch die Linien vorbeifliegen sehen", meinte Morgenstern damals. Und schon 48 Stunden später sorgte er als Schluss-Springer des ÖSV-Teams gleich noch einmal für Gold.

Schon ein Jahr später ging es in Sapporo als Doppel-Olympiasieger schon wieder um Medaillen, doch Morgenstern vermochte sich rechtzeitig zu steigern. "Der Morgenstern ist der, der bei der WM wirklich mit 150 Prozent vom Kopf da ist, weil vom Körperlichen her ist er vor drei Wochen noch K.o. geschlagen worden. Die mentale Stärke und den Optimismus, den er an den Tag legt, findet man kein zweites Mal", beschreibt Cheftrainer Alex Pointner den Kärntner kurz. Und spricht damit die Odyssee an, die Morgenstern in dieser Saison mit seiner Gürtelrosenerkrankung hinter sich hatte. Und jetzt steht er als Team-Weltmeister und Bronze-Medaillengewinner da. "Nie und nimmer", hätte er daran geglaubt.

Geboren in Spittal/Drau, wohnhaft in Seeboden. Thomas Morgenstern lässt in allen seinen Statements keinen Zweifel daran, dass er ein echter Kärntner ist. Deftige, lockere Sprüche, mit seiner unbekümmerten Art hat er viele Fans gefunden. Und nach Japan hat er sich als Dank für viele Stunden der Unterstützung bei seinen Anfängen gleich seine gesamte Familie eingeflogen. Ein Support, den er braucht, wie er ohne Umschweife zugibt.

"Ich bin über das Toni-Innauer-Skifest in Bad Kleinkirchheim zum Skispringen gekommen", erzählte Morgenstern, der aus einer sehr sportlichen Familie kommt. Sein Onkel väterlicherseits, Alois Morgenstern, war 1976 Olympia-Siebenter im alpinen Slalom. Dieser Onkel fungierte u.a. auch als Trainer des Fußball-Regionalligisten Spittal/Drau, zwei Söhne von Alois Morgenstern, also Cousins von Thomas, spielten beim FC Lustenau. Morgenstern hat vergangenen Sommer die Matura absolviert, im Land seines Vorbildes, Kazuyoshi Funaki, hat er nun Gold und Bronze geholt.

Schon 2003 zeigte der damals 16-jährige Kärntner erstmals groß auf und feierte in Liberec seinen ersten von bisher zwei Weltcupsiegen. In diesem Jahr holte er im Einzel und mit dem Team den Junioren-WM-Titel. Schon im Jahr darauf freute er sich bei der Skiflug-WM über die erste (bronzene) Medaille bei den "Großen", 2005 kürte er sich bei den Weltmeisterschaften in Oberstdorf gar zum Team-Doppelweltmeister. Die erste Einzelmedaille bei einem Großereignis kam 2005 mit Bronze bei der Heim-Skiflug-WM auf dem Kulm. (APA)

Share if you care.