Bresnik sieht Licht am Ende des Tunnels

23. Juli 2000, 13:17

Österreich ist besser als es scheint

Rennes - Österreichs Daviscup-Team muss 2001 in der Europa- Afrika-Zone I wieder kleinere Brötchen backen. Wie schon in der Slowakei war auch beim Relegations-Spiel gegen Frankreich in Rennes auf dem schnellen Taraflex-Belag schon nach dem Doppel alles entschieden. Das junge Team der Franzosen war dem noch jüngeren Team der Österreicher haushoch überlegen, in drei Partien wurde kein Satz gewonnen, nicht einmal ein Break ist gelungen. Für ÖTV-Kapitän Günter Bresnik dennoch kein Grund, Trübsal zu blasen.


In Zukunft wird Bresnik noch mehr Flüssiges brauchen um gutes österreichisches Daviscuptennis zu sehen.

"Was mich nervt ist, wenn die Leute das Tennis tot reden nach mehr oder weniger erwarteten Niederlagen. Österreich ist ein sehr kleines Tennis-Land, aber für die Größe ein sehr gutes." Frankreich habe an die 60 Millionen Einwohner, Österreich acht - auch das Budget der Franzosen sei ein Vielfaches von dem des ÖTV. In Zukunft wie in der Vergangenheit hängt weiterhin alles von der Auslosung ab und von der Möglichkeit, bei einem Heimspiel auf Sand spielen zu können. Daran wird sich so schnell nichts ändern.

"Auch wenn der Tunnel noch sehr lang ist, irgendwie ist am Ende Licht in Sicht. Österreich hat zwei Spieler in den Top 100 und drei Spieler zwischen 100 und 200 sowie einen Melzer, der noch weiter hinten steht, der Top 100-Potenzial hat. Das ist für eine kleine Nation relativ gut." Man werde sich immer über Sand quälen müssen. Selbst als Österreich über einen Nummer eins-Spieler verfügt habe, war es kaum möglich, auf einem anderen Belag gegen wirklich arrivierte Nationen zu gewinnen.

Wie zwingt man Spieler im Daviscup anzutreten?

Bresnik bedauerte auch, dass Markus Hipfl nicht mit von der Partie gewesen ist. "Auch wenn wir hier mit Hipfl wahrscheinlich auch nicht gewonnen hätten, wäre es wichtig gewesen, dass er für die Zukunft diese Partien in den Beinen hat." Einen Top 100-Spieler könne man nicht vorgeben, weil der auch jede Woche gegen Leute wie Escude spielt. Bresnik: "Markus ist für die Mannschaft eine nicht wegzudenkende Säule und ein schwerer Verlust, wenn er nicht dabei ist." Für den 19-jährigen Melzer sei es vielleicht etwas zu früh, aber ein wichtige Erfahrung gewesen. "Er hat gesehen, dass hier eine ganz andere Prise bläst. Selbst in Wimbledon erste Runde ist es einfacher, als hier Daviscup zu spielen."

Ob man in Zukunft mehr darauf beharren werde, dass die einberufenen Spieler auch antreten? "Es gibt keine Lösung dafür. Der Verband hat kein vernünftiges Druckmittel auf die Spieler. Da hat es zum Beispiel ein Skiverband leichter", sagt Bresnik. Nicht einmal vom internationalen Tennisverband (ITF) gäbe es eine vernünftige Regelung. "Wenn die ITF sagen würde, wenn jemand drei Wochen rund um den Daviscup ein Turnier, aber nicht im Daviscup spielt, dann ist er für das nächste Grand-Slam-Turnier gesperrt, würde jeder Daviscup spielen."

Für Doppel-Mann Thomas Strengberger ist dieser Ansatz überhaupt zu bezweifeln. "Es ist doch traurig, wenn man sich überlegen muss, wie kann ich den Spieler zwingen, dass er spielt?" Abgesehen davon, ergänzte Bresnik, habe man von einem Aktiven, der unter Zwang spielt, ohnehin nichts. "Mir ist viel wichtiger, dass man zu seinem Wort steht. Darauf habe ich beim Stefan immer gepocht, weil er früher für mich wie ein kleiner Bruder oder ein Sohn war. Loyalität ist eine der größten Eigenschaften des Menschen."


Gutes Zureden scheint bei Koubek im Daviscup nicht zu nutzen.

Im Daviscup spielt Koubek wie "Flasche leer"

Diese Diskussion soll aber nicht darüber hinweg täuschen, dass Koubek ein Mal mehr im Daviscup eine enttäuschende Leistung geboten hat. "Stefan war gegen Grosjean als einziger nicht Außenseiter. Was er derzeit bietet, ist eine Highlight-Show, aber da ist keine solide Basis da."

Koubek kann sich dies selbst nicht erklären: "Ich habe wieder mal nicht so gut gespielt, so wie es bei mir im Daviscup in letzter Zeit immer war. Scheinbar tue ich mir schwer auf Hardcourt, wenn ich wirklich Druck habe." (APA)

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