Vom Auspuff in den Sauger

5. März 2007, 11:13
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Grazer Ärzte fordern "Feinstaubsauger" für Straßen, doch die Wirtschaftsbetriebe waschen und saugen längst - mit mäßigem Erfolg

Graz - "Ich bin prinzipiell bei Feinstaubstudien vorsichtig", sagt die Grazer Lungenchirurgin Freya Smolle-Jüttner, "sie werden meist von gewissen Interessengruppen gefordert. Die Leute, die gerne Auto fahren, sagen zum Beispiel, der Verkehr spielt keine Rolle." Trotzdem ist es unter anderem die unlängst in Wien präsentierte Aquella-Studie zum Feinstaub, welche die Leiterin der Klinischen Abteilung für Thorax und Hyperbare Chirurgie am LKH bewegte, Maßnahmen gegen Feinstaub von Verantwortlichen zu fordern.

Da der Verkehr nicht nur durch Abgase eine Quelle des Feinstaubs ist, sondern auch durch die Aufwirbelung des Staubs auf den Straßen, schlägt, die Lungenexpertin vor, den Staub nicht nur von den Straßen zu kehren und zu waschen, wie es in Graz bereits praktiziert wird, sondern "mechanisch zu entfernen, also abzusaugen". Denn auch gewaschene Straßen seien nach der Trocknung wieder staubig.

Keine Trockensaugung

Aus dem Büro der für die Wirtschaftsbetriebe verantwortlichen KPÖ-Stadträtin, Winfriede Monogioudis, kann man mit diesem Vorschlag wenig anfangen. Denn alle 24 Straßenkehrmaschinen, die in Graz zum Einsatz kommen, seien bereits mit Wasserdüsen ausgerüstet und mit einem Absauger, in dem der befeuchtete, gebundene Staub verschwindet. "Trocken gekehrt wird bei uns überhaupt nicht." Reine "Absaugemaschinen" für den Straßenverkehr gebe es aber nicht, nur solche die auf großen Baustellen zum Einsatz kommen. Doch die könnten aufgrund ihrer Größe auf normalen Straßen nicht einmal fahren.

"Zudem kommt das Problem, dass es keinen Sauger gibt, der nicht auch Luft rausbläst und weiter Staub aufwirbelt", erklärt der zuständige Experte, dem die kritischen Lage trotz des "differenzierten Winterdienstes" (ohne Splitt) der Stadt klar ist. "Aber es kann keiner erwarten, dass sich der Staub bei gleichbleibendem Verkehr reduziert." Auch Jüttner-Smolle ist überzeugt, dass ohne persönliche Einschränkung und öffentliche Investitionen in Partikelfilter für Pkw und veraltete Holzheizungen nichts mehr geht: "Es ist - auch angesichts des Klimawandels - dringend nötig, dass die Verantwortlichen tätig werden".

Gehörig kundgemacht

Beschwerden von Autofahrern, die steirische Landesregierung habe Tempolimits auf Autobahnen und Bundesstraßen nicht genügend publik gemacht, wurden indes am Freitag vom Verfassungsdienst des Bundeskanzleramts abgewiesen. Die Verordnung sei "gehörig" kundgemacht worden. (Colette M. Schmidt, DER STANDARD print, 3./4.3.2007)

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