Die Zeit wird hemdsärmelig

2. März 2007, 21:02
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Diese Uhren sind ein bisserl teurer als das, was Otto Normalverbraucher sich ans Handgelenk hängt

Ob die Dinger wirklich, wie ein Umstehender gehört haben wollte, je 400.000 Euro teuer waren, oder doch "nur" 400.000 Schilling gekostet hatten, ist auch schon egal. Fest steht, dass die in die Manschetten der Hemden von Martin Aistleitner und Angelo Galasso eingesetzten Uhren ein bisserl teurer waren als das, was Otto Normalverbraucher sich - unmodisch altvaterisch - ans Handgelenk hängt. Und: Wer, wie der Schicki-Neusprechterminus lautet "preissensibel" ist, hat und findet in Aistleitners Boutique "No7" - im (darf man das denn überhaupt erwähnen?) Souterrain des Hauses Kohlmarkt 8 - ohnehin kein Leiberl. Im Wortsinn.

Aber weil es immer irgendwen gibt, der bereit ist für ein Sakko 7000 Euro (nein, wirklich nicht Schilling) auf die Budel zu legen, geriet die Eröffnung jenes Ecks von "No7", das hier für Flavio Briatores Modelabel "Billionaire Couture" reserviert ist, Donnerstagabend zum Massenauflauf von Reich & Schön. Und Briatores Chefdesigner Galasso musste, um überhaupt in das Geschäft zu gelangen, jenen Raum nutzen, der sich öffnete, als Hermann Nitsch die Treppe hinabstieg. Ob auch Nitsch die Uhr im Ärmel trägt, war nicht zu erkennen. Und die Frage, ob man eine Manschettenuhr mitwäscht und -bügelt, mutet dieser Klientel so plebejisch an, dass man sie gar nicht ignorieren muss: Man versteht sie einfach nicht. (DER STANDARD print, 3./4.2007)

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    f: rott
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