Salzburger Tarifdickicht: Kunden verirren sich

11. März 2007, 18:06
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Fahrkartenpreise "eine Art Geheimwissen" - Nach Kärnten fahren kommt billiger

Salzburg – Was den Kunden öffentlicher Verkehrsmittel im Land Salzburg ohnehin bekannt ist, hat nun auch eine Studie bestätigt: „Das komplizierte Angebot ist kaum überschaubar“, es herrsche ein „Vielkartendschungel“, fasst Verkehrsexperte Karl Regner das Ergebnis seiner im Auftrag der Grünen durchgeführten Erhebung zusammen.

„Selbst bei einer komprimierten Auflistung aller Salzburger Tarife“ zeige sich, dass es fast unmöglich sei, halbwegs rasch den optimalen Tarif zu finden“, ergänzt die Verkehrssprecherin der Grünen Landtagsfraktion, Heidi Reiter. Wer imstande sei, rasch die günstigste Fahrpreisvariante zu finden, sei im Besitz einer Art „Geheimwissen“. Reiter fordert vom Verkehrsverbund eine bürgernäheres Tarifsystem.

Weiter ist billiger

Ein Beispiel aus der Praxis: Ein Vater, der mit seinem 15-jährigen Sohn im Zug von der Landeshauptstadt nach Bad Gastein fährt, zahlt entweder zweimal 12,50 Euro oder zwei- mal 9,50 Euro. In den Genuss des niedrigeren Preises kommt er, wenn er die Fahrkarten nicht bis nach Gastein sondern nach Mallnitz in Kärnten – also eigentlich für eine weitere Strecke – löst und einfach früher aussteigt.

Die Lösung des Mysteriums der „Weiter-zahlen-und-früher-aussteigen“-Methode: Die Tarifgestaltung der ÖBB ist familienfreundlicher als jene des Salzburger Verkehrsverbundes; wenn Kinder zwischen 15 und 19 Jahren mit ihren Eltern in ÖBB-Zügen Verkehrsverbund überschreitend (also beispielsweise nach Kärnten) fahren, erhalten sie bis zu 50 Prozent Ermäßigung.

Schwindelerregend übrigens auch der von Regner festgestellte Wirrwarr im „Vielkartendschungel“: Ein Lehrling, der durch Lehrstelle, Berufsschule und Wohnort zu mehreren Orten gelangen muss, benötigt zwei Fahrausweise für die Ausbildung und noch einmal bis zu vier weitere Karten, um in der Freizeit mobil zu bleiben: Vorteilskarte unter 26, Feriennetzkarte ÖBB, Feriennetzkarte Stadt und Feriennetzkarte Regionalbus beziehungsweise Lokalbahn. Um die Jugendlichen bei den Öffis zu halten, fordern die Grünen eine einheitliche Jugendkarte für gesamten Verkehrsverbund.

Kritik an den Tarifen kommt übrigens auch vonseiten der Arbeiterkammer. Ab Juli würden die Preise erneut um 1,5 Prozent angehoben. Monats- und Jahreskarten beliebter Verbindungen wie etwa Hallein-Salzburg seien damit binnen sechs Jahren um fast 50 Prozent gestiegen. (neu, DER STANDARD print, 3./4.3.2007)

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