Das Herz in der Hose, den Hund im Helm

2. März 2007, 20:23
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Niavarani und Vitásek sind ein uneingeschränkter Gewinn für die zuweilen mit Espritdefiziten ringende an Kammerspielen: "Schöne Bescherung"

Wien – Ein toter Hund im Helm, ein Reverend im Kleiderkasten und ein ohnmächtiges Mädchen in der Sofalade: Am klassischen Komödiengewitter lässt es Direktor Herbert Föttinger in den Kammerspielen auch weiterhin nicht mangeln. Nur dass hier jetzt ausgewachsene Kabarettisten den Draht zum Publikum am Glühen halten.

Andreas Vitásek und Michael Niavarani, das soeben in der britischen Weihnachtsfarce Schöne Bescherung frisch ausgebackene neue Bühnenpaar, sind ein uneingeschränkter Gewinn für die zuweilen mit Espritdefiziten ringende traditionsreiche Bühne in der Wiener Innenstadt. Zwischen der Ungehobeltheit des fallweisen Nichtschauspielens und dem aber besonderen Gespür für Pointen packen die beiden zu stattlichen Londoner Bobbys auffrisierten Männer die Palette ihrer Mimikry aus. Sie zielt ganz auf die Filmkomiker Stan Laurel und Oliver Hardy ab.

So sehr, dass man im Fall von Vitáseks behelmtem Antlitz des Öfteren meint, das eigentümliche Karpfengesicht des echten Stan Laurel vor sich zu haben, der die niedergehenden, müden Lider mit der Breitseite des Mundes auffangen möchte. Niavarani als Oliver-Hardy-Look-alike hat zwar weniger Kilos, aber dafür die größer kugelnden Augen.

Hund oder Nichthund

Als unendlich gehemmtes, und in all seinen Ausführungen erwartungsgemäß dämliches Polizistenduo Blunt und Handley bringen sie es nicht über die Lippen, am Tag vor Weihnachten einem alten Ehepaar die Botschaft vom Tod deren Tochter zu überbringen. Autounfall. Aus purer Angst, die gebrechlichen Leute (Kurt Sobotka und Dolores Schmidinger) könnten durch den Schock der Nachricht selbst das Zeitliche segnen.

Zunächst wird an der Türglocke herzerweichend herumgedruckst und natürlich ewig lange nicht geklingelt. "Ich war beim letzten Mal dran!" Und zwischen guten und weniger guten Wortwitzen ("läuten"/"Leuten") kommt es auch zum schönen Dialogabtausch:"Es ist nicht unsere Schuld, dass das passiert ist! – Es ist aber unsere Schuld, wenn sie’s erfahren!"

Autor Anthony Neilson (40) schreibt mit Schöne Bescherung (die Fassung hier stammt von Regisseur Werner Sobotka und Niavarani) die Tradition der klassischen britischen Farce weiter. Hier stimmt bis auf ein paar patinierte Gags alles, ein vollendetes Werk aus dem Ersatzteillager der Weihnachtgeschichten: mit Kindern, Tieren, Märchen und einer Botschaft.

Die Schwärze dieses schwarzen Humors ist allerdings beträchtlich. Denn während die Polizisten vom Tod des Kindes sprechen (bzw. nicht davon sprechen), meinen die Eltern vom Ende ihres Labradors zu erfahren.

Mit hanebüchenen Aus-weichargumenten sowie der temporären Beherbergung eines seelsorgenden Reverends (Siegfried Walther) im Schrank lässt sich die schonende Lüge im schönen Laura-Ashley-Wohnzimmer (Bühne: Ulrich Schulz) einen Theaterabend lang aufrechter- halten. Anhaltender Applaus vom Premierenpublikum. (Margarete Affenzeller/ DER STANDARD, Printausgabe, 03./04.03.2007)

  • Die Nachrichten, die sie zu überbringen haben, sind von unerfreulicher Natur: Andreas Vitásek und Michael Niavarani (re.) in "Schöne Bescherung".
    foto: moritz schell

    Die Nachrichten, die sie zu überbringen haben, sind von unerfreulicher Natur: Andreas Vitásek und Michael Niavarani (re.) in "Schöne Bescherung".

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