Verwehrte Bekehrung: Dänische Filmkomödie "Adams Äpfel"

3. März 2007, 23:26
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Jensen kombiniert in seiner Komödie scheinbar unverträgliche Elemente zu einem Gleichnis, das im Kern immer moralisch bleibt, auch wenn es den Weg über die Provokation nimmt

Wien – Die Ausgangssituation von Adams Äpfel lässt eine vorhersehbare Resozialisierungskomödie vermuten, mit eben jenen Ingredienzien, die am Arthouse-Sektor als erfolgsträchtig gelten: Der Skinhead Adam (Ulrich Thomsen) steigt im dänischen Niemandsland aus dem Bus und wird von Pfarrer Ivan (Mads Mikkelsen, unlängst als Bond-Bösewicht im Kino zu sehen) in Empfang genommen. Natürlich will er den Neo-Nazi zum besseren Menschen machen – ganz so, wie es ihm anscheinend schon mit Khalid (Ali Kazim), dem arabischen Bankräuber, und Gunnar (Nicolas Bro), dem kleptomanischen Alkoholiker, gelungen ist.

Doch statt zu den erwartbaren Konflikten, zu denen eine solche Zusammenstellung von Minderheiten gemeinhin veranlasst – und die gemäß standardisierten Drehbuchkonzepten über Umwege in Verständnis münden –, kommt es zu einer unerwarteten Verschiebung der Perspektive. Regisseur und Autor Anders Thomas Jensen eignet sich den Blick Adams an, der mit wachsender Verwunderung zusieht, wie sein aus purem Überdruss formuliertes Ziel, einmal einen Apfelkuchen zu backen, biblische Dimensionen annimmt.

Nichts nämlich lässt Pfarrer Ivan daran zweifeln, dass das Gute auf dieser Welt überwiegt, und mit entsprechender Dogmatik wird er alles, was sich dagegen stellt, als Versuchung des Teufels werten. Die Überzeugungen Ivans reichen aber noch weiter, so weit, dass sie einem regelrechten Realitätsverlust gleichen – die Verwerfungen des Daseins, sei es die Behinderung seines Sohnes oder der Selbstmord seiner Frau, blendet er schlichtweg aus.

Aus dem Kontrast zwischen dem unerschütterlichen Glauben Ivans und den tatsächlichen Verhältnissen schöpft Adams Äpfel seine Komik. Stereotype werden politisch inkorrekt übersteuert, wenn die Figuren keine Fortschritte machen: Khalid etwa ist kein geläuterter Christ, sondern immer noch der gewaltbereite Terrorist von ehedem. Umgekehrt erinnert der schelmische Umgang mit dem idealistischen Weltverbesserertum Ivans zumindest inhaltlich an die Planspiele Lars von Triers.

Jensen, der als erfolgreicher Drehbuchautor auch schon Dogma-Filme verantwortet hat, kombiniert in seiner Komödie scheinbar unverträgliche Elemente (im Auto des Pfarrers läuft How Deep Is Your Love von den Bee Gees) zu einem Gleichnis, das im Kern immer moralisch bleibt, auch wenn es den Weg über die Provokation nimmt: Im Wettstreit zwischen dem Guten und dem Bösen gewinnt immer noch der mit dem stärksten Glauben. (Dominik Kamalzadeh/ DER STANDARD, Printausgabe, 03./04.03.2007)

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"Adams Äpfel"
Jetzt (März 2007) im Kino
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    foto: m & m productions
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