Nie zuvor mehr Zwangsprostituierte und Haushaltssklavinnen in Österreich

23. Juli 2000, 12:23

Studie spricht von großem Markt des internationalen Frauenhandels

Wien - Österreich sei vom Transitland zu einer der führenden Zieldestinationen des internationalen Frauenhandels geworden. Das belege die noch unveröffentlichte Studie "Bekämpfung des Frauenhandels und der Zwangsprostitution" des Boltzmann-Institutes für Menschenrechte, wie das Nachrichtenmagazin "Format" in seiner am Montag erscheinenden Ausgabe berichtet.

"Menschenhandel"-Delikte: 162%iger Anstieg

Noch nie zuvor seien so viele Frauen aus Tschechien, der Slowakei und Rumänien nach Österreich geschleust worden. Die Folge: Laut der neuen Untersuchung ist die Zahl der in Wien illegal tätigen Prostituierten mittlerweile auf 7.000 angestiegen - wobei sich gerade zehn Prozent regelmäßig gesundheitlichen Checks unterzögen. Zudem sei die Anzahl der Verurteilungen nach Paragraph 217 ("Menschenhandel") in den vergangenen zwei Jahren um 162 Prozent angestiegen.

Verschuldung und Illegalität wartet

Die Einschleusungen nach Österreich werden laut "Format"-Vorbericht am Sonntag von straff organisierten Banden durchgeführt, die vom Ausland aus agieren und ihre Filialen in Österreich mitunter als Heiratsvermittlungen tarnen: "Frauen werden vielfach gefälschte Reisepässe, Reisetickets und Vorzeigegeld für die Einreise zur Verfügung gestellt. In Österreich angelangt, wird ihnen dies wiederum abgenommen. Bei ihrer Ankunft am Zielort sind die Frauen bereits hoch verschuldet und zudem mit dem Status der Illegalität konfrontiert - eine Lage, die sowohl Zuhälter als auch Barbesitzer geschickt zu nutzen wissen", heißt es in der Untersuchung.

"Diplomatische Sklaverei"

Ein Detail der Studie: In Wiens DiplomatInnenkreisen stehe die Ausbeutung eingeschleuster Frauen an der Tagesordnung. Frauen aus Sri Lanka, von den Philippinen oder aus Lateinamerika müssten für einen "Hungerlohn" als Haushaltsangestellte von Diplomaten oder UN-Bediensteten schuften. Studien-Mitautorin Angelika Kartusch spricht dem Bericht zufolge sogar von "diplomatischer Sklaverei": "80 Stunden harter Arbeit pro Woche bei einem monatlichen Verdienst von 4.500 Schilling ohne Krankenversicherung stellen keinen Einzelfall dar."
(APA)

Share if you care.