Sturm und eine neue Struktur

12. März 2007, 14:15
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Der Banker Christian Jauk hat die neue finanzielle Sicherheit der Grazer erdacht

Wien/Graz - "Es war schwieriger, Sponsoren zu finden als Investoren. Der Clou ist das gemeinsame Interesse für die Partner und den Verein." Der öffentlichkeitsscheue Christian Jauk (42) denkt in Zahlen, Umsätzen, Renditen und Abschreibungen, auch zum Frühstücksinterview muss es das Bawag-Cafe sein.

Der CEO der Capital-Bank, einer Tochter der Grazer Wechselseitige Versicherung, hat ein Modell entwickelt, das den SK Sturm Graz aus der quasi-feudalen Vergangenheit unter Hannes Kartnig löste und betriebswirtschaftlichen Prinzipien unterwirft.

Dem Verein wurde eine Marketing-Gesellschaft an die Seite gestellt, die im ersten Jahr (2007/2008) eine Ausschüttung zwischen vier und fünf Millionen Euro sicherstellen soll.

"Kasinogeld"

Die Gesellschafter sind die Styria Media, die Grazer Wechselseitige und die steirische Raiffeisen-Landesbank (je rund 25 Prozent). Als vierter Partner werkt in der Sturm Marketing Gesellschaft eine Gruppe von Privatiers, die dem Masseverwalter am Beginn des Konkursverfahrens 750.000 Euro als Fortführungsgarantie übergaben. Jauk: "Kasinogeld. Weil wir am Beginn nicht wussten, ob das alles gut geht."

Für diesen Kapital- und Vertrauensvorschuss erhielten die Sympathisanten ein Viertel an der Marketing-Gesellschaft (SMG). Mittlerweile ist Sturm per Zwangsausgleich (Quote: 20 Prozent) entschuldet, der Masseverwalter Norbert Scherbaum hat sich der gerichtlichen Regressforderung (Vorwurf: unsachgemäßes Wirtschaftsgebaren) gegen ehemalige Sturm-Funktionäre (Ex-Präsident Kartnig, Ex-Wirtschaftkoordinator Kle-mentschitsch) angeschlossen.

Etwaige Zahlungen daraus hat der Verein den Gläubigern weitergegeben: die "Superquote". Um die Lizenzauflagen für das Spieljahr 2007/2008 zu erfüllen, hat die SMG dem Verein drei Millionen Euro vorgestreckt.

Sie erhielt dafür sämtliche Vermarktungsrechte (Sponsoring, Werbung, Stadion-Banden, VIP-Klub, Tickets), deren Verkauf laut der Aktion "Gläserner Verein" in den vergangenen Jahren rund 5,5 Millionen Euro erbrachte. Zusätzlich kriegt der Klub noch die TV-Lizenzgebühren (0,8 Millionen Euro), Mitgliedsbeiträge und sonstige Einnahmen (rund 0,5 Millionen Euro) und Spielerrechte (Transfererlöse). Ergibt mit den vier bis fünf Millionen aus der SMG ein Budget von rund sechs Millionen Euro.

Jauk: "Die SMG wird von Marketingprofis nach privatwirtschaftlichen Gesichtspunkten geführt. Mit Gewinnabsicht." Das gemeinsame Interesse von Investoren und Verein ist das stolze Vorhaben, mit einem österreichischen Fußballverein in Österreich Geld zu verdienen. Jauk: "Die zweite Schiene ist der Nachwuchs. Am Ende des Spiels gegen Ried standen acht Sturm-Spieler aus dem eigenen Nachwuchs am Platz."

Eineinhalb Plätze

Noch hat Sturm die zweithöchste Anzahl an ausländischen Spielern (natürlich hinter Red Bull Salzburg), das soll sich ändern. Sturm muss freilich die Infrastruktur sanieren. Die Akademie bildet über 15-Jährige aus, für Jüngere hat der Klub nicht einmal einen Sportplatz. Jauk, dessen Sohn im Sturm-Nachwuchs spielt: "Wir brauchen kein Trainingszentrum, das hohe Betriebskosten verursacht. Wir brauchen zwei Plätze für die Erste und eineinhalb Plätze für den Nachwuchs."

Die hartnäckigen Gerüchte, Sturm könnte sich ins Trainingszentrum des GAK (so es ihn 2007/2008 in der Bundesliga überhaupt noch gibt) einmieten, will Jauk nicht kommentieren. Jauk: "Der Fußball lebt von der Fantasie. Wir versuchen, Sturm nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten zu führen."

Schon will GAK-Präsident Stephan Sticher Sturms Modell übernehmen. Jauk: "Tatsache ist, dass wir an einem Lokalrivalen höchstes Interesse haben."

Es ist im Grazer Fußball wie in der Wirtschaft, auch die schönsten schwarzen Zahlen sind ohne die Gefahr der roten eher fad. (Johann Skocek - DER STANDARD PRINTAUSGABE 3.3. 2007)

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