Attila Dogudan

4. März 2007, 19:08
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Der "Cartier" des Essens und der Bordküche

"Im Prinzip gibt es keinen Unterschied, ob man für 100, 1000 oder 5000 Leute kocht", ist der Wahlspruch des 1959 in Istanbul als Sohn eines türkischen Restaurantbesitzers und einer Wienerin geborenen Attila Dogudan. "Stimmen muss die Qualität." Ab Sommer kommen nun noch die rund zehn Millionen AUA-Fluggäste pro Jahr hinzu, die der Gründer des Gastro- und Cateringunternehmens Do & Co und seine rund 1800 Mitarbeitern bekochen werden.

Der Kauf des Airline-Caterers Airest, der bisher die Passagiere der österreichischen Fluglinie versorgte, bringt den wohl bekanntesten Gastronomen Österreichs und König des Formel-1- und Event-Caterings seinem selbst gesteckten Ziel, der "Cartier des Essens" zu werden, ein großes Stück näher - und ihm vielleicht ein Stück persönlicher Genugtuung: Schon Mitte der 80er-Jahre wollte Dogudan mit der AUA ins Geschäft kommen. "Kommen S' wieder, wenn Sie eine Mousse au Chocolat erfunden haben, die zwei Monate hält", soll man ihm damals abfällig beschieden haben.

Der Werdegang des heute 47-Jährigen hat etwas vom Nimbus einer Tellerwäscherkarriere: mit elf Jahren nach Wien übersiedelt, mit 16 die Schule abgebrochen, Externistenmatura und fast abgeschlossenes Handelswissenschaftsstudium. Er arbeitet im väterlichen Restaurant Kervansaray, gründet 1981 sein erstes Restaurant, ab 1983 betreibt der Jungunternehmer mit einem alten VW-Bus das erste Catering.

Der Beginn einer wunderbaren Freundschaft und der unternehmerische Durchbruch ereignet sich 1987, als der schon damals ruhelose Perfektionist in der Wiener Diskothek "Take Five" seinen "symbiotischen Zwilling" Niki Lauda kennen lernt. Drei Wochen später durchzieht der Duft warmer, feiner Menüs die Kabinen der Lauda Air.

Auch wenn der Lebensin- und -unterhalt des sich meist in Jeans mit blauem Sakko und korrekter Krawatte bekleideten Do-&-Co-, Demel- und Onyxbar- und Fünf-Sterne-Hotel-Chefs rund ums Essen dreht, behauptet er von sich, vom Kochen keinen blassen Dunst zu haben. Seine kulinarischen Anregungen holt der Vater zweier in London studierender Söhne oft aus hunderten Kochbücher, die die Regale seines Büros in der Wiener Zentrale im elften Bezirk füllen.

Viel Zeit, die Erträge seines Restaurant- und Catering-Imperiums zu genießen, bleibt dem Workaholic nicht. Acht Monate im Jahr ist der Unternehmer unterwegs. Angeblich fliegt er meilenmäßig zwanzigmal pro Jahr um die Welt, um Kunden wie Emirates in Dubai, British Airways in London oder Cathay Pacific in Hongkong zu besuchen. Selbst zu seiner in Barcelona lebenden Frau Rieke muss er fliegen - wenn diese gerade nicht in Salzburg weilt, wo sie das "Demel" leitet. (Karin Tzschentke, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 3./4.3.2007)

  • Do-&-Co-Chef Attila Dogudan fliegt meilenmäßig zwanzigmal um die Welt.
    foto: standard/urban

    Do-&-Co-Chef Attila Dogudan fliegt meilenmäßig zwanzigmal um die Welt.

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