Wal ist auch keine Wahl

2. März 2007, 18:37
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Prinzipiell kann man außer Tischen alles essen, was vier Füße hat. Sagt Herr Kono und kichert dabei...

Dass seine Ware oft über deutlich mehr Füße verfügt, und dass man in Japan weit davon entfernt ist, alles zu essen, was vier Füße hat, gibt er dann aber zu. Hase etwa isst man in Japan nicht. Ist ja ein Haustier wie Hund und Katz. Herr Kono, für einen Händler am Fischmarkt von Sapporo des Englischen bemerkenswert mächtig, hat nur blöde geantwortet, weil er die Frage als blöde missverstanden hat. Natürlich kann man diese Krabben essen, die Frage war ja eigentlich, ob man dieses Ding allein und in einer Mahlzeit essen kann.

Kann man schon, versichert Herr Kono. Leute ihrer Statur sowieso, sagt Herr Kono und kichert wieder. Weil die Krabbe, um die es da geht, die hat an die drei Kilogramm, ein ausgesprochen, nun ja, schönes Exemplar einer roten Königskrabbe.

Die Kollegen von der Abteilung Wollhand- und Schneekrabben schauen weg. Sie sind kleiner, und der mit der Statur könnte ja auf Ideen kommen, könnte nach ihnen fragen. Also sagt Kono, ohne Schalen und so ist das Ding sicher auf einmal und allein zu essen. Dämpfen würde er es und helfen beim Herauslösen des Fleisches, wirklich ausgezeichnet dieses Fleisch. Die große Rote öffnet die Scheren rhythmisch. Der mit der Statur wendet sich ab, lieber doch Sushi essen gehen oder eine Suppe.

Herr Kono kichert nicht mehr, er hat hunderte Krabben aller Größen und vermutlich Kinder zu ernähren, die keine Krabben mehr sehen wollen. Vielleicht Wal, wie wäre es mit Wal, ruft Kono, so leise er kann. Alle Fremden würden danach fragen, wenn sie nach Japan kommen, flüstert er dem kurz Innehaltenden zu. Und kaufen sie auch? Nein, sagt Kono, Wal nicht und keine Krabben. (lü - DER STANDARD PRINTAUSGABE 3.3. 2007)

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