Ex-Frau erstochen: 20 Jahre Haft

4. März 2007, 20:16
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Mann stach vor den Augen der Töchter mit Butterfly-Messer zu - Urteil nicht rechtskräftig

Wien - Jener Mann, der im Juli des Vorjahres seine 37-jährige Ex-Freundin vor den Augen ihrer beiden Töchter getötet hatte, ist am Freitagabend im Straflandesgericht wegen Mordes zu 20 Jahren Haft verurteilt worden. Die elf und zwölf Jahre alten Mädchen hatten mitansehen müssen, wie der 34-Jährige mit einem Butterfly-Messer immer wieder auf die Frau einstach. Das Urteil ist nicht rechtskräftig, Verteidiger Peter Philipp meldete Nichtigkeitsbeschwerde und Berufung an.

Der Angeklagte hatte sich "schuldig auf Totschlag" bekannt, wie er zu Beginn seiner Einvernahme zu Protokoll gab. Er sei "so schockiert" gewesen, weil ihm seine ehemalige Lebensgefährtin nach mehr als 13 Jahren Beziehung zu verstehen gegeben habe, dass die Kinder in Wahrheit nicht von ihm seien. Die Frau habe ihm gedroht, die Mädchen "auf den leiblichen Vater umzuschreiben", so der Angeklagte.

Die Frau hatte die Lebensgemeinschaft im Vorjahr beendet, ihr Ex-Freund zog aus ihrer Wohnung in Simmering aus. "Er wollte aber nicht wahrhaben, dass die Beziehung zu Ende war. Der Angeklagte hat nicht respektiert, dass sie nichts mehr mit ihm zu tun haben wollte", sagte Staatsanwalt Friedrich König. Er habe daher "versucht, sie dazu zu zwingen, dass sich das wieder ändert".

Mit SMS bombardiert

Laut Anklage soll der 34-Jährige die Frau oft im Minutenabstand mit SMS bombardiert haben. Der Versuch der Frau, gegen den Mann eine einstweilige Verfügung zu erwirken, ihre Wohnung nicht mehr betreten zu dürfen, wurde vom Gericht im Hinblick auf die Kinder abgelehnt.

Zwei Tage vor der Bluttat habe sie ihm erstmals verraten, dass er nicht der Vater der Mädchen sei, erklärte der Angeklagte. Er habe zunächst geglaubt, sie wolle ihn bloß ärgern. Am Sonntag habe sie ihn beschimpft und ihre Behauptung wiederholt, legte der 34-Jährige dar.

23 Stiche

23 Mal stach der Mann darauf hin zu. Der Verteidiger sprach von einem "Blutrausch". Die Frau schleppte sich noch aus der Wohnung und bat eine Nachbarin röchelnd um Hilfe. Dann starb sie in Folge des massiven Blutverlustes. Der Täter flüchtete, konnte aber wenig später festgenommen werden.

Die beiden Töchter leben inzwischen in einer Wohngemeinschaft und bedürfen nach wie vor der Behandlung eines Trauma-Experten. Die Opferschutz-Anwältin Eva Plaz verlangte im Namen beider Mädchen einen Privatbeteiligtenzuspruch von je 100.000 Euro für den so genannten Trauerschaden, den der Angeklagte der Höhe nach nicht anerkannte. Er gestand den Mädchen jeweils 10.000 Euro zu. (APA)

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